Website mit KI erstellen: wann Lovable, Framer Agents und Co. reichen, und wo es teuer wird

Eine ansehnliche Website in einem Abend ist 2026 keine Übertreibung mehr. Wir sortieren nüchtern, für wen ein KI-Builder reicht, wo Credits, Sicherheit und Rechtstexte zur Falle werden und was eine Agentur überhaupt noch anders macht.

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Technik & Systeme

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Autor

Dustin Tatarowicz

Dustin Tatarowicz

„Ich hab mir am Wochenende mit Lovable eine Website gebaut, sah nach zwei Stunden richtig gut aus. Warum soll ich euch dann noch bezahlen?" Die Frage kam von einem Physiotherapeuten, ganz ohne Vorwurf, eher neugierig. Und sie ist berechtigt. 2026 baut jedes große Werkzeug Websites aus einem Textbefehl: Lovable, Framer mit seinen neuen Agents, Wix mit Harmony, Squarespace, Durable, Hostinger. Die Ergebnisse sehen auf den ersten Blick besser aus als vieles, was Agenturen vor fünf Jahren abgeliefert haben.

Wir arbeiten selbst täglich mit KI und mit Framer. Dieser Beitrag ist deshalb kein „Finger weg von KI-Baukästen", sondern eine nüchterne Einordnung: wann ein KI-Builder für einen kleinen Betrieb völlig reicht, wo die Kosten und Risiken sitzen, die im Demovideo nicht vorkommen, und was eine Agentur 2026 überhaupt noch anders macht.

Was die Werkzeuge im September 2026 tatsächlich können

Framer 3.0 ist am 16. Juni 2026 erschienen und hat Agents eingeführt: eine KI direkt auf der Arbeitsfläche, die ganze Seiten entwirft, die Umbrüche für Tablet und Handy setzt, Komponenten anlegt, Code schreibt und das CMS anbindet. Alles, was sie baut, sind echte Framer-Ebenen, die man danach von Hand weiterbearbeiten kann. Framer selbst schätzt, dass die 3.000 Credits des Pro-Tarifs für rund zehn Landingpages im Monat reichen.

Lovable hat im August 2026 eine Finanzierung über 400 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar abgeschlossen und meldet über 60 Millionen erstellte Projekte. Es erzeugt aus einem Prompt komplette Web-Apps samt Datenbank und Login, hostet sie und gibt den Code heraus. Seit Mai 2026 werden neue Projekte serverseitig gerendert, was ein altes SEO-Problem der Plattform behebt.

Wix Harmony kam im Januar 2026, mit einem Agenten namens Aria, der Seiten baut, Texte schreibt und Shopfunktionen ergänzt, in allen Tarifen, auch im kostenlosen. Squarespace startet seit 2025 mehr als die Hälfte seiner Neukunden über Blueprint AI. Durable packt zur KI-Website gleich CRM und Rechnungen dazu. Hostinger hat im August 2026 seinen Baukasten und den Agenten Horizons zu einem Produkt zusammengelegt, ab 2,99 Dollar im Monat bei 48 Monaten Vorauszahlung, danach 10,99 Dollar.

Kurz: Eine ansehnliche Website in einem Abend ist keine Übertreibung mehr. Die Frage ist, was danach passiert.

Wann ein KI-Builder für euch völlig reicht

Wir sagen das regelmäßig auch Interessenten, die uns anfragen: Für bestimmte Fälle ist ein Baukasten die richtige Wahl.

Ihr braucht eine digitale Visitenkarte mit Leistungen, Öffnungszeiten, Anfahrt und Kontakt, und ihr habt jemanden im Team, der Freude daran hat, Texte und Bilder selbst zu pflegen. Ihr testet eine Geschäftsidee und wisst noch nicht, ob sie in sechs Monaten noch existiert. Ihr braucht eine Landingpage für eine Aktion, die nach vier Wochen wieder verschwindet. Oder ihr habt schlicht kein Budget und die Alternative wäre gar keine Website.

In allen vier Fällen ist ein Framer-Basic-Tarif für 10 Dollar oder ein Wix-Light-Tarif für 17 Dollar im Monat gut angelegtes Geld. Dann aber bitte richtig: mit eigenen Fotos, einem ordentlichen Impressum und einer Domain, die euch gehört.

Zwei Spalten: Wann ein KI-Baukasten reicht und wann Agentur oder Freelancer sinnvoller sind

Die kurze Entscheidungshilfe, die wir Interessenten mitgeben.

Kostenfalle 1: Credits sind der eigentliche Preis

Die Monatsgebühr ist bei allen Anbietern nur die Eintrittskarte. Bezahlt wird in Credits, und die verbrauchen sich schneller, als man denkt. Lovable zeigt auf seiner Preisseite selbst Beispiele: „Mach den Button grau" kostet 0,5 Credits, „Entferne den Footer" 0,9, „Baue mir eine Landingpage mit Bildern" 1,7. Der Pro-Tarif für 25 Dollar bringt 100 Credits im Monat. Wer nach der ersten Version dreißigmal nachjustiert, was bei jeder Website normal ist, hat an einem Nachmittag schnell die Hälfte des Monatsvorrats verbraucht.

Bei Lovable kommt ein Detail hinzu, das viele übersehen: Bauen und Hosting laufen über dasselbe Guthaben. Eine veröffentlichte App verbraucht Cloud-Credits, während sie läuft. Bei Framer verfallen ungenutzte Credits am Monatsende, nachgekaufte ebenfalls. Das ist kein Betrug, es steht alles auf den Preisseiten. Es bedeutet nur, dass „10 Dollar im Monat" selten die Zahl ist, die am Jahresende auf den Kontoauszügen steht.

Balkendiagramm: Credit-Kosten einzelner Prompts bei Lovable, von 0,5 Credits für eine Buttonfarbe bis 1,7 Credits für eine Landingpage

Beispielwerte von der Lovable-Preisseite: Jede Korrektur kostet, und der Pro-Tarif bringt 100 Credits im Monat.

Kostenfalle 2: eure Zeit

Der Physiotherapeut von oben hatte nach zwei Stunden eine schöne Startseite. Nach dem dritten Abend hatte er Impressum, Datenschutzerklärung, ein Kontaktformular, das Anfragen tatsächlich zustellt, eine Terminanfrage, korrekte Öffnungszeiten auf jeder Seite und eine mobile Ansicht, in der nichts überlappt. Zwanzig bis vierzig Stunden für eine kleine Website sind nach unserer Erfahrung bei Selbstbauern der Normalfall, und es sind Stunden, in denen niemand behandelt, verkauft oder montiert.

Zur Einordnung: Der Freelancer-Kompass 2025 von freelancermap nennt für Web- und Softwareentwicklung einen Stundensatz von 90 Euro, über alle Fachrichtungen 104 Euro. Dreißig bis fünfzig Stunden Profiarbeit entsprechen also grob 2.700 bis 5.200 Euro. Wenn eure eigene Stunde weniger wert ist als das, lohnt sich Selbstbau rechnerisch. Bei den meisten Inhabern ist sie es nicht.

Risiko 1: Sicherheit ab Werk

Im Mai 2025 wurde eine Sicherheitslücke in Lovable-generierten Anwendungen dokumentiert, geführt als CVE-2025-48757. Zwei Sicherheitsforscher prüften 1.645 veröffentlichte Lovable-Apps, 170 davon, also gut 10 Prozent, ließen ihre Datenbank ohne Anmeldung lesen und teils beschreiben. Ursache war keine exotische Attacke, sondern eine fehlende Standard-Einstellung in der erzeugten Datenbank. Lovable hat die Vorlage danach geändert, bestehende Apps mussten ihre Betreiber selbst nachbessern. Viele dürften nicht gewusst haben, dass sie überhaupt eine Datenbank betreiben.

Das ist kein Einzelfall einer Plattform. Veracode hat im Sommer 2025 über 100 KI-Modelle mit 80 Programmieraufgaben getestet: In 45 Prozent der Fälle enthielt der erzeugte Code eine Sicherheitslücke, und neuere, größere Modelle schnitten nicht besser ab. Für eine reine Präsentationsseite ohne Login und Datenbank ist das Risiko klein. Sobald Kundendaten gespeichert werden, ist es das nicht mehr.

Risiko 2: Barrierefreiheit, die kein Prompt repariert

WebAIM prüft jedes Jahr die Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites. Im Februar 2026 hatten 95,9 Prozent messbare Barrieren, im Schnitt 56 Fehler pro Seite, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Als Ursache nennt der Bericht ausdrücklich „automatisierte oder KI-gestützte Programmierpraktiken", im Jargon Vibe Coding, also Software, die per Zuruf an eine KI entsteht. Eine manuelle Prüfung zweier Lovable-Shops nach WCAG 2.2 durch den Anbieter accessiBe im Juni 2026 fand in beiden dieselben vier kritischen Fehler: Dialoge ohne Rollen, Fokus, der aus Fenstern herausfällt, Eingabefelder ohne Beschriftung, zu wenig Kontrast auf Preisen. Ein ausführlicherer Prompt senkte die Zahl kleiner Fehler von 15 auf 9, die vier kritischen blieben.

Warum das für kleine Betriebe zählt, haben wir in unserem Beitrag zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz aufgeschrieben: Wer über die Website Termine oder Produkte an Verbraucher verkauft und mehr als neun Leute beschäftigt oder über zwei Millionen Euro Umsatz macht, ist seit Juni 2025 gesetzlich in der Pflicht.

Risiko 3: Impressum, Cookies, Hosting

Die Werkzeuge sind international ausgelegt und kennen deutsches Recht nicht, egal ob sie aus Amsterdam, Stockholm oder Kalifornien kommen. Drei Dinge fehlen bei selbst gebauten Seiten fast immer. Erstens das Impressum nach § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes: Name, Anschrift, E-Mail, Registernummer, Umsatzsteuer-ID, bei Heilberufen und Handwerk die Kammer und die Berufsbezeichnung, und das alles „leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar", also von jeder Seite aus mit einem Klick.

Zweitens der Cookie-Hinweis. Framer setzt von sich aus keine Cookies und hat eine cookielose Statistik, das ist gut. Sobald aber Google Analytics, ein YouTube-Video oder ein Buchungstool eingebettet wird, braucht es nach § 25 TDDDG eine Einwilligung, und die Datenschutzkonferenz verlangt, dass Ablehnen so leicht ist wie Zustimmen. Einen eingebauten Einwilligungsmanager hat Framer nicht, den muss man ergänzen.

Drittens der Standort der Daten. Framer betreibt seine Dienste laut eigener Sicherheitsdokumentation in Amazon-Rechenzentren in den USA mit weltweitem Auslieferungsnetz, Lovable hostet global über Supabase. Eine garantierte EU-Option nennt keiner der beiden. Das ist mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Standardvertragsklauseln lösbar und für eine Präsentationsseite unkritisch. Wer Patientendaten oder Bestellungen verarbeitet, sollte es zumindest wissen.

Fairerweise: Der Baukasten ist selten das technische Problem

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Gehostete Baukästen liefern in der Breite solide Technik. Im WebAIM-Bericht 2026 haben Wix- und Squarespace-Seiten mit rund 33 Fehlern pro Seite deutlich weniger Barrieren als WordPress-Seiten mit knapp 53. Beim Ladeverhalten, gemessen an Googles Core Web Vitals, bestehen laut HTTP Archive 74 Prozent der Wix-Seiten den mobilen Test, bei WordPress sind es 45 Prozent. Die Plattform ist also meist besser als ihr Ruf. Was fehlt, ist nicht Technik, sondern Struktur, Inhalt, Rechtstexte und jemand, der Verantwortung übernimmt.

Vergleich Wix, Squarespace und WordPress: Barrieren pro Startseite laut WebAIM und bestandene Core Web Vitals laut HTTP Archive

Gehostete Baukästen schneiden bei Barrierefreiheit und Ladezeit besser ab als der Durchschnitt und als WordPress.

Was Framer selbst über seine Agents sagt

Der aufschlussreichste Text zu diesem Thema stammt nicht von einer Agentur, sondern aus dem Entwicklerblog von Framer zum Start der Agents. Dort steht, warum Agents grundsätzlich nur auf einer Kopie des Projekts arbeiten und nie auf der Live-Website: Die Ergebnisse seien nicht deterministisch, dieselbe Anfrage liefere unterschiedliche Antworten, und KI-Inferenz sei „unzuverlässig im Vergleich zu fast jeder anderen Art von Computing". Deshalb gibt es Branching, also getrennte Arbeitskopien, Rückgängig pro Nachricht und einen Mensch, der am Ende zusammenführt. Der Hersteller hat das Sicherheitsnetz eingebaut, weil er weiß, dass man das Ergebnis prüfen muss. Genau diese Prüfung ist die Arbeit.

Was eine Agentur 2026 anders macht, und was nicht

Zugegeben: Bunte Kästen anordnen macht eine Agentur heute nicht mehr besser als eine KI, oft langsamer. Wir nutzen dieselben Werkzeuge, bei uns entstehen erste Layouts inzwischen ebenfalls per Agent. Der Unterschied liegt an vier anderen Stellen.

Die Fragen vor dem Prompt. Wen soll die Seite überzeugen, welche Einwände hat diese Person, was muss sie sehen, bevor sie anruft? Ein Prompt kann das nicht wissen, ein Baukasten fragt nicht nach. Das ist der Grund, warum viele selbst gebaute Seiten schön sind und keine Anfragen bringen.

Texte, die aus dem Betrieb kommen. KI-Texte klingen nach KI, weil sie das Allgemeine schreiben. Was einen Handwerker von den drei anderen im Ort unterscheidet, steht in seinem Kopf, nicht im Modell. Jemand muss es herausfragen und aufschreiben.

Das Unsichtbare. Impressum, Datenschutz, Einwilligung, Barrierefreiheit, Formularzustellung, Weiterleitungen alter Adressen, Google-Unternehmensprofil, Suchmaschinen-Grundlagen. Nichts davon sieht man im Screenshot, alles davon entscheidet, ob die Seite funktioniert und ob sie Ärger macht.

Jemand, der haftet und antwortet. Wenn das Formular seit drei Wochen keine Mails zustellt, wenn die Seite nach einem Update anders aussieht, wenn ein Abmahnschreiben kommt: Bei einem Baukasten seid ihr allein mit dem Support-Chat.

Unsere Empfehlung in drei Sätzen

Testet Ideen und Aktionen mit einem KI-Builder, das ist die beste Verwendung dafür. Lasst eure eigentliche Unternehmenswebsite von jemandem bauen, der die Fragen davor stellt und für das Unsichtbare geradesteht, ob Agentur oder Freelancer. Und wenn das Budget dafür nicht reicht, nehmt ein festes Paket mit klarem Umfang statt eines Wochenendes mit Credits: Für genau diesen Fall haben wir eine Website für 999 Euro gebaut, mit Texten, Formular und allem Unsichtbaren.

Ihr habt schon etwas mit KI gebaut und wollt wissen, ob es hält?

Schickt uns den Link. Wir schauen einmal nüchtern auf Impressum, Einwilligung, Barrierefreiheit, Formular und Struktur und sagen euch, was fehlt und ob ihr das selbst beheben könnt. Schreibt uns kurz über das Kontaktformular. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden, persönlich und ohne Vertriebsgespräch.