Website-Relaunch: wann er sich lohnt und wann nicht

Fünf Gründe, die einen Relaunch rechtfertigen, vier die keine sind — und der Fehler beim Umzug, der Sichtbarkeit vernichtet. Aus 19 Jahren Praxis.

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Dustin Tatarowicz

Dustin Tatarowicz

Die Frage wird fast immer zu spät gestellt

„Unsere Seite ist jetzt sechs Jahre alt, wir bräuchten mal was Neues." So beginnen die meisten Gespräche über einen Relaunch. Das Alter ist dabei das schwächste aller Argumente — eine Seite von 2019, die Anfragen bringt, ist besser als eine von letzter Woche, die keine bringt.

Ein Relaunch ist teuer, dauert Monate und bringt in der Zwischenzeit nichts ein. Er lohnt sich, wenn ein konkretes Problem ihn erzwingt. Er lohnt sich nicht, wenn die Seite einfach nicht mehr gefällt.

Dieser Text beschreibt, wie man den Unterschied erkennt — auch auf die Gefahr hin, dass wir uns damit gelegentlich ein Projekt ausreden.

Fünf Gründe, die einen Relaunch rechtfertigen

Das Geschäft hat sich verändert. Ihr macht heute etwas anderes als beim letzten Bau, oder ihr sprecht eine andere Zielgruppe an. Das ist der beste aller Gründe, weil kein Umbau im Bestand ihn löst. Eine Seite, die für Privatkunden gebaut wurde, lässt sich nicht zu einer für Industriekunden umdekorieren.

Die Technik trägt nicht mehr. Das System bekommt keine Sicherheitsupdates, die Seite ist auf dem Handy unbrauchbar, oder jede Änderung braucht einen Dienstleister und zwei Wochen. Ein System, das euch daran hindert, selbst einen Text zu ändern, kostet euch mehr, als es spart.

Ihr kommt inhaltlich nicht weiter. Ihr wollt fünf Leistungsseiten und einen Blog, und die Struktur gibt es nicht her. Wer Inhalte in eine Struktur presst, die dafür nicht gebaut ist, produziert ein Durcheinander, das später teurer zu reparieren ist als ein Neubau.

Die Zahlen sagen es. Leute kommen und gehen sofort wieder. Sie erreichen das Formular nicht. Auf dem Handy bricht die Hälfte ab. Wenn ihr das messen könnt, habt ihr einen belastbaren Grund — und zugleich einen Maßstab, an dem sich der Relaunch später messen lässt.

Die Seite passt nicht zum Preis. Wer Projekte im fünfstelligen Bereich verkauft, dessen Website darf nicht aussehen wie ein Baukasten von 2015. Das ist kein Eitelkeitsargument: Der erste Eindruck bestimmt, ob jemand euren Preis überhaupt für plausibel hält.

Vier Gründe, die keiner sind

„Die Seite ist alt." Alter allein ist kein Problem. Fragt stattdessen, ob sie tut, was sie soll.

„Mitbewerber X hat was Neues." Ihr wisst nicht, ob es bei ihm funktioniert. Sehr oft funktioniert es nicht.

„Der Chef mag die Farbe nicht mehr." Kommt öfter vor, als man denkt. Farbe und Typografie lassen sich in Tagen ändern, nicht in Monaten.

„Wir brauchen mehr SEO." Der häufigste Irrtum. Sichtbarkeit entsteht durch Inhalte und Struktur, nicht durch ein neues Design. Wer relauncht, ohne die Inhalte anzufassen, hat danach dieselbe Sichtbarkeit — im schlechteren Fall weniger, weil beim Umzug etwas schiefgeht.

Der Mittelweg, den kaum jemand vorschlägt

Zwischen „so lassen" und „alles neu" liegt eine Option, die selten angeboten wird, weil sie sich schlechter verkauft: der Umbau im Bestand.

Sehr oft steckt das Problem nicht im Fundament, sondern in drei, vier Stellen. Die Startseite sagt nicht, was ihr macht. Es gibt keine Seite je Leistung. Das Formular schreckt ab. Die Referenzen sind Logos ohne Geschichte.

Das lässt sich in zwei bis drei Wochen beheben, kostet einen Bruchteil und liefert die Zahlen, die euch später sagen, ob ein Relaunch überhaupt nötig ist. Wir empfehlen diesen Weg häufiger, als uns lieb ist — er endet oft damit, dass der Relaunch ein Jahr später und dann mit klarem Ziel kommt.

Wenn ihr relauncht: der Teil, der am häufigsten schiefgeht

Der teuerste Fehler bei einem Relaunch ist kein gestalterischer. Er passiert am Umzugstag.

Wenn sich die Adressen der Unterseiten ändern — und das tun sie fast immer —, muss jede alte Adresse auf ihre neue Entsprechung weitergeleitet werden. Passiert das nicht, laufen alle Treffer bei Google und alle Links, die jemals auf euch gesetzt wurden, ins Leere. Wir haben Fälle gesehen, in denen ein technisch einwandfreier Relaunch die Sichtbarkeit halbiert hat, weil diese Liste niemand erstellt hat.

Fragt eure Agentur vor Projektbeginn danach. Die Antwort „darum kümmern wir uns" reicht nicht — ihr wollt hören, dass eine Liste aller bestehenden Adressen erstellt und jeder davon ein Ziel zugeordnet wird.

Zweitens: Prüft nach dem Umzug, ob die alten Adressen tatsächlich weiterleiten. Nicht stichprobenartig, sondern vollständig. Das ist eine Stunde Arbeit und rettet Jahre an aufgebauter Sichtbarkeit.

Was ein Relaunch realistisch dauert

Die Bauzeit ist selten das Problem. Der Engpass sind Inhalte.

Design und Umsetzung lassen sich planen. Was regelmäßig aus dem Ruder läuft, sind Texte, Projektfotos und die Frage, wer intern entscheidet. Ein Projekt, das auf sechs Wochen angelegt war, dauert neun — nicht weil jemand langsam gearbeitet hätte, sondern weil vier Wochen auf Freigaben gewartet wurde.

Wer das abkürzen will, klärt vorher zwei Dinge: Wer entscheidet, und woher kommen die Inhalte. Diese beiden Antworten verkürzen jedes Projekt spürbar.

Fazit

Ein Relaunch ist die richtige Antwort auf ein Problem, das sich benennen lässt: Das Geschäft hat sich geändert, die Technik trägt nicht, die Struktur reicht nicht, die Zahlen sind schlecht, der Auftritt passt nicht zum Preis.

Er ist die falsche Antwort auf ein diffuses Unbehagen. In dem Fall ist ein gezielter Umbau billiger, schneller und liefert obendrein die Erkenntnis, ob es den großen Schritt überhaupt braucht.

Unsicher, was bei euch ansteht?

Wir schauen uns eure Seite an und sagen ehrlich, ob ein Relaunch nötig ist oder ob ein paar gezielte Eingriffe reichen. Schreibt uns kurz über das Kontaktformular, was euch stört. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden — persönlich und ohne Vertriebsgespräch.