Warum die meisten Firmenblogs niemand liest: was einen guten Beitrag 2026 ausmacht

Nur 13,9 Prozent der Marketer melden laut Orbit Media 2026 starke Ergebnisse mit ihrem Blog, obwohl 92,4 Prozent KI beim Schreiben einsetzen. Was die wenigen anders machen, für Google, KI-Antworten und echte Leser.

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SEO & Sichtbarkeit

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Dustin Tatarowicz

Dustin Tatarowicz

„Wir lassen seit zwei Jahren jede Woche einen Blogbeitrag von der KI schreiben. Es passiert nichts." Das sagte uns im August der Geschäftsführer eines Fensterbauers aus dem Bergischen Land, eher ratlos als verärgert. Über hundert Beiträge, und weder Google noch ChatGPT noch ein Kunde nimmt Notiz. Er ist damit nicht allein: In der Blogger-Umfrage von Orbit Media 2026 unter 1.042 Marketern melden nur 13,9 Prozent starke Ergebnisse mit ihrem Blog, der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung, während 92,4 Prozent inzwischen KI beim Schreiben einsetzen.

Die wenigen, bei denen es funktioniert, machen fünf Dinge anders: Sie stellen die Antwort an den Anfang, sie bringen eigene Daten mit, sie halten Beiträge aktuell, ein Mensch redigiert, und sie bebildern mit Sinn. Dieser Beitrag zeigt, Stand September 2026, was Google belohnt und bestraft, was KI-Antworten zitieren, was Leser tatsächlich tun und wie ein Beitrag aussieht, der alle drei erreicht.

Was Google 2026 belohnt und was es bestraft

Google bestraft KI-Texte nicht, es bestraft Masse ohne Mehrwert. Das Core Update vom Mai lief vom 21. Mai bis zum 2. Juni 2026, und Google nannte es laut Search Engine Land „ein großes" mit viel Bewegung in den Rankings. Der Rat dazu blieb der alte: nichts Neues nötig, solange man „zufriedenstellende Inhalte für Menschen" macht. Dazu kamen im März, Juni und August 2026 drei Spam-Updates, das letzte ausdrücklich für alle Sprachen.

Was Spam ist, definieren Googles Richtlinien (Stand 28. August 2026): „Scaled content abuse" meint viele Seiten, die vor allem Rankings manipulieren sollen, und die Richtlinie nennt generative KI als Beispiel, wenn sie „viele Seiten ohne Mehrwert" erzeugt. Das ist der Wochenbeitrag ohne Redaktion. John Mueller ergänzte am 7. September 2026 auf Bluesky, zitiert bei Search Engine Roundtable: Programmatische Inhalte führen „oft zu einer Website, die entweder Spam, fast Spam oder minderwertig ist", und Google könne dann „das Vertrauen in eure Website verloren haben". Ein dünner Cluster zieht die ganze Domain mit.

Dass KI an sich kein Problem ist, hat Ahrefs im Juli 2026 an einer Million Top-10-Seiten gezeigt: 5,3 Prozent der Top-3-Ergebnisse sind komplett KI-geschrieben, 82,2 Prozent der Top-3 bestehen zu weniger als der Hälfte aus KI-Text. Seiten mit wenig oder mäßigem KI-Anteil erhielten zwei- bis dreimal mehr Impressionen als Seiten mit hohem Anteil, die Indexierungsquote lag bei 49,3 gegenüber 40,4 Prozent. Verluste sagten laut Ahrefs nicht der KI-Anteil voraus, sondern Wiederholungen, fehlende Links und schwaches Schreiben. Das ist Korrelation, kein Experiment. Wie ihr KI einsetzt, ohne in diese Muster zu rutschen, steht in KI schreibt schneller, aber nicht automatisch besser.

Was KI-Antworten zitieren

KI-Antworten zitieren vor allem Seiten, die den Unternehmen selbst gehören, aber nicht deren Werbeseiten. Profound hat zwischen dem 16. April und dem 16. Juli 2026 11,84 Milliarden Zitate aus acht Modellen ausgewertet. Im Median gehen 57 Prozent der Zitate an markeneigene Seiten. Bei ChatGPT sind es 47 Prozent eigene Seiten, 30 Prozent Presse und Fachmedien, 20 Prozent soziale Netzwerke; bei Googles AI Overviews 69, 17 und 15 Prozent. Markeneigene Seiten haben also grundsätzlich eine Chance, in AI Overviews anteilig die größte.

Gruppiertes Balkendiagramm: ChatGPT zitiert zu 47 Prozent unternehmenseigene Seiten, 30 Prozent Presse und 20 Prozent soziale Netzwerke, Google AI Overviews zu 69, 17 und 15 Prozent.

Anteil der Zitate nach Quellenart bei ChatGPT und Google AI Overviews, aus 11,84 Milliarden Zitaten laut Profound, Juli 2026.

Die Plätze sind allerdings knapp: Laut Profound (Februar 2026, 730.000 ChatGPT-Gespräche) zitiert eine Antwort im Schnitt rund sechs Quellen, und die zehn größten Domains kommen zusammen nur auf 12 Prozent der Zitate. Ein Handwerksblog hat dort also Platz, aber pro Frage gibt es nur etwa sechs Stühle.

Und Eigenlob hilft nicht. Ahrefs hat im Juli 2026 für eine etablierte Marke gemessen: Nur 6 Prozent der neuen KI-Erwähnungen kamen von eigenen Seiten, 94 Prozent von fremden. 43 Prozent der Antworten, die eine werbliche „Best of"-Seite zitierten, empfahlen am Ende Wettbewerber. Für Deutschland passt dazu SISTRIX (1. September 2026): Informationsfragen lösen AI Overviews in 69,7 Prozent der Fälle aus, Kauffragen in 0,2 Prozent. Der Blog ist die Stelle, an der ihr in KI-Antworten vorkommt, nicht die Produktseite. Mehr dazu in Unternehmen in KI-Antworten.

Warum das Datum über die Zitierung entscheidet

Seiten, die älter als drei Jahre sind, werden von KI-Antworten praktisch nicht mehr zitiert. Seer Interactive hat im Juli 2026 47.097 Zitate aus ChatGPT, Gemini und Perplexity (März bis Juni 2026) untersucht: 75 Prozent der zitierten Seiten wurden in den letzten zwölf Monaten aktualisiert, 88 Prozent in den letzten 24 Monaten, Seiten über drei Jahre kommen laut Seer „praktisch nicht vor". Gemini ist am strengsten mit 78 Prozent aus dem letzten Jahr, ChatGPT liegt bei 73, Perplexity bei 65.

Balkendiagramm: 75 Prozent der von KI-Antworten zitierten Seiten wurden in den letzten zwölf Monaten aktualisiert, 88 Prozent in den letzten 24 Monaten, aber nur 42 Prozent wurden im letzten Jahr veröffentlicht.

Anteil der von KI-Antworten zitierten Seiten nach Alter der letzten Aktualisierung, aus 47.097 Zitaten laut Seer Interactive, Juli 2026.

Die wichtigere Zahl steckt dahinter: Nur 42 Prozent der zitierten Seiten wurden im letzten Jahr veröffentlicht. Der Rest ist älter und wurde gepflegt. Aktualisieren schlägt also Neuschreiben, und das ist für Betriebe mit altem Bestand eine gute Nachricht.

Für Google gilt Ähnliches. Growth Memo hat im August 2026 60.000 Suchergebnisseiten und 3.000 Listenbeiträge ausgewertet: Aktualität war der einzige robuste Prädiktor für die ersten drei Plätze. 66,6 Prozent der Top-3-Seiten trugen ein Datum aus den letzten zwei Jahren, auf den Plätzen 8 bis 10 waren es 57,3 Prozent; alte oder undatierte Seiten hatten 56 Prozent geringere Chancen. Auch das ist korrelativ, aber es ist die konsistenteste Beobachtung über alle Studien hinweg.

Bei einem Heizungsbauer aus dem Rheinland haben wir das selbst erlebt: Ein Beitrag zur Wärmepumpenförderung brachte im Jahr der Veröffentlichung wenig. Nach der Überarbeitung mit dem Förderstand 2026 und einem sichtbaren Aktualisierungsdatum kamen darüber die ersten Anfragen.

Was echte Leser auf der Seite tun

Leser lesen nicht, sie scannen, und daran hat sich in über zwanzig Jahren nichts geändert. Die Nielsen Norman Group hat 2008 anhand von 45.237 Seitenaufrufen ermittelt, dass Nutzer pro Besuch höchstens 28 Prozent der Wörter lesen, wahrscheinlicher 20. 2018 folgte die Blickmessung mit 120 Teilnehmern und 130.000 Fixierungen: 57 Prozent der Betrachtungszeit liegen über dem Falz, also im ersten sichtbaren Bildschirm, 74 Prozent in den ersten zwei Bildschirmen. 2020 bestätigte NN/g das Scanverhalten erneut.

Drei große Kennzahlen: Leser lesen höchstens 28 Prozent der Wörter, 57 Prozent der Betrachtungszeit liegen über dem Falz und 74 Prozent in den ersten zwei Bildschirmen.

Drei Kennzahlen der Nielsen Norman Group (2008, 2018): gelesene Wörter, Aufmerksamkeit über dem Falz und in den ersten zwei Bildschirmen.

Die Daten sind alt, das ist ihre Schwäche und ihre Stärke: Sie beschreiben Verhalten, nicht Technik, und neuere belastbare Messungen haben wir nicht gefunden. Was sich geändert hat, ist das Gerät. In Deutschland kamen im August 2026 laut Statcounter 50,9 Prozent der Seitenaufrufe vom Handy, 47,4 Prozent vom Desktop. Der erste Bildschirm ist also ein Handydisplay. Unsere Faustregel dafür: etwa 40 Wörter, dann wird gescrollt.

Daraus folgt die wichtigste Regel dieses Beitrags: Die Antwort steht oben. Nicht der Anlauf, nicht die Firmengeschichte, nicht „in diesem Beitrag erfahren Sie". Wer nach 40 Wörtern weiß, ob der Text seine Frage beantwortet, scrollt weiter oder ruft an. Alle anderen sind weg.

Woran die meisten Firmenblogs scheitern

Die meisten Firmenblogs scheitern nicht an KI, sondern daran, dass sie genau die Dinge weglassen, die messbar wirken. Orbit Media zeigt das 2026 deutlich: Beiträge mit eigener Recherche haben rund 50 Prozent höhere Chancen auf starke Ergebnisse, Beiträge mit formaler menschlicher Redaktion erreichen etwa das Doppelte des Durchschnitts, Beiträge, die nur die KI gegenliest, liegen darunter. Trotzdem sinkt der Aufwand: Die Zeit pro Beitrag fiel von 4 Stunden 10 Minuten 2022 auf 3 Stunden 20. Die Umfrage ist international, keine deutsche Erhebung; das Muster kennen wir aus fast jedem Erstgespräch.

Dazu kommen vier Fehler, die sich durch die Studien ziehen. Masse ohne Mehrwert, die Google als Spam einstuft. Veraltete Seiten ohne Datum, die weder Google noch ChatGPT anfassen. Werbliche Beiträge, die KI-Antworten für Wettbewerbervergleiche nutzen. Und Überstrukturierung: Bei Growth Memo hatten Seiten mit mehr H2- und H3-Überschriften 29 Prozent geringere Chancen auf die Top 3. Der Beitrag mit zwölf Zwischenüberschriften und je zwei Sätzen darunter ist kein Beitrag, er ist ein Inhaltsverzeichnis.

Tabelle mit sieben Faktoren: eigene Recherche, menschliche Redaktion und ein aktuelles Datum erhöhen die Erfolgschancen von Blogbeiträgen, reine KI-Redaktion und zu viele Überschriften senken sie.

Gegenüberstellung der Faktoren, die laut Orbit Media und Growth Memo 2026 mit Erfolg oder Misserfolg von Blogbeiträgen zusammenhängen.

Bei einer Zahnarztpraxis aus Köln haben wir 2025 einen Blog übernommen, den eine Agentur ein Jahr lang wöchentlich mit KI befüllt hatte. In der Search Console stand der Großteil der Beiträge unter „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert". Google hatte die Seiten gesehen und entschieden, dass sie nichts beitragen. Wir haben die meisten gelöscht und die wenigen mit eigener Substanz überarbeitet.

Die Bauanleitung, Teil 1: Antwort zuerst, ein eigener Beleg, ein sichtbares Datum

Ein guter Beitrag beginnt mit der Antwort in etwa 40 Wörtern. Schreibt sie zuerst: Was ist die Frage, was ist eure Antwort, welche Zahl trägt sie? Dieser Absatz ist das, was der Leser auf dem Handy sieht, was Google als Snippet zieht und was ChatGPT als eine seiner rund sechs Quellen übernimmt. Er muss ohne den Rest des Textes funktionieren.

Dann der Beleg, den niemand sonst hat, und das ist kein Forschungsprojekt. Ein Elektrobetrieb kann aufschreiben, wie viele Wallbox-Anfragen im Monat daran scheitern, dass der Hausanschluss zu klein ist. Ein Restaurant kann seine No-Show-Quote vor und nach der Anzahlung nennen. Orbit Media misst für eigene Daten rund 50 Prozent höhere Erfolgschancen (2026), und eine KI kann so etwas nicht für den Wettbewerber nachschreiben.

Drittens das Datum. Ein sichtbares „Aktualisiert: September 2026" im Beitrag und ein Termin im Kalender, der alles Ältere als zwölf Monate wieder auf den Tisch bringt. Die 75 Prozent von Seer (Juli 2026) sind die Messlatte. Wer zwanzig alte Beiträge hat, überarbeitet lieber die fünf besten, als fünf neue zu schreiben.

Die Bauanleitung, Teil 2: Titel, Struktur, Autor, Erwähnungen, Bilder

Gezählte Titel funktionieren, aber nur bei echten Listen. Bei Growth Memo (August 2026) gewannen Beiträge mit gezähltem Titel wie „7 Gründe" 56,8 Prozent der direkten Vergleiche gegen vage Sammelbeiträge. Wer aber eine Erklärung in „5 Dinge" presst, bekommt einen zerhackten Text und kein Ranking.

Weniger Überschriften, mehr Substanz darunter. Unsere Faustregel: Wenn eine Sektion keine 150 Wörter Inhalt trägt, gehört sie in die Nachbarsektion. Und unter jede H2 ein kurzer Absatz, der die Kernaussage so vollständig formuliert, dass ein Sprachmodell ihn wörtlich übernehmen kann.

Autor und Offenlegung. Googles Selbstprüfung für hilfreiche Inhalte (Stand Dezember 2025) fragt „Wer, wie, warum" und ausdrücklich, ob der Einsatz von Automatisierung „für Besucher durch Offenlegung erkennbar" ist. Vertrauen nennt Google die wichtigste Komponente von E-E-A-T. Growth Memo fand zwar keinen messbaren Effekt von Autorenboxen, aber ein Name mit Gesicht kostet nichts und beantwortet die Frage jedes Lesers: Hat das ein Mensch verantwortet?

Externe Erwähnungen. Da bei Ahrefs (Juli 2026) 94 Prozent der neuen KI-Erwähnungen von fremden Seiten kamen, gehört zu jedem Beitrag eine Aufgabe außerhalb der eigenen Website: einem Partner den Beitrag schicken, in einer Fachgruppe posten, ein Branchenverzeichnis aktualisieren. Ein Beitrag, der nirgends erwähnt wird, existiert für ChatGPT kaum.

Bilder mit Sinn. Orbit Media sieht 2026 bei zwei bis drei Bildern pro Beitrag die besten Ergebnisse, bei Growth Memo hatten Top-3-Listenbeiträge 38,9 Prozent mehr Bilder als der Rest. Gemeint sind Grafiken mit euren Zahlen, Fotos von der Baustelle, ein Screenshot, nicht das Stockfoto vom Händeschütteln.

Wie wir es selbst machen

Wir schreiben unsere Beiträge mit KI und lassen sie von der KI nicht allein. Vor jedem Text entsteht ein Recherchepaket mit Quelle, Datum und dem Vermerk, ob wir die Zahl auf der Originalseite gelesen haben oder nur aus zweiter Hand kennen. Zahlen, die wir nicht prüfen konnten, verwenden wir nicht, auch wenn sie gut klingen. Der Entwurf entsteht mit dem Modell nach einem festen Hausstil, und ein Mensch streicht, ergänzt Projekterfahrung und prüft jede Zahl gegen das Paket.

Die Grafiken bauen wir aus den Zahlen des Beitrags, nicht aus Bilddatenbanken. Jeder Beitrag trägt ein Stand-Datum, und wir gehen die älteren einmal im Jahr durch. Ob das reicht, wissen wir nicht sicher. Es ist aber der einzige Prozess, bei dem wir nach dem Veröffentlichen noch hinter jedem Satz stehen. Auch dieser Beitrag ist so entstanden.

Fazit: die Reihenfolge für euren nächsten Beitrag

Fangt nicht mit einem neuen Beitrag an, sondern mit dem Bestand. Schaut in der Search Console, welche Beiträge indexiert sind, und löscht oder verbindet, was nichts beiträgt. Wählt dann die fünf Beiträge mit dem meisten Potenzial und überarbeitet sie. Antwort in den ersten 40 Wörtern, eine eigene Beobachtung aus dem Betrieb, ein sichtbares Aktualisierungsdatum, weniger Überschriften. Dazu zwei bis drei Grafiken mit echten Zahlen, ein Autor mit Namen und ein Satz zur KI-Nutzung. Schickt jeden überarbeiteten Beitrag an einen Partner oder in eine Fachgruppe. Erst danach schreibt neu, und zwar seltener: Ein guter Beitrag im Monat schlägt vier, die niemand liest. Wenn ihr dafür jemanden braucht, der Recherche, Redaktion und Grafiken übernimmt: Genau das ist unsere SEO-Arbeit.

Dazu passt: Warum die eigene Website auch neben Social Media und KI-Suchassistenten unverzichtbar bleibt und Local SEO – der Schlüssel zur regionalen Sichtbarkeit

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