ChatGPT Dots erklärt: Funktionen, Kosten, Datenschutz und der Vergleich mit Hermes Agent, Grok Bot und Claude

ChatGPT Dots arbeiten weiter, wenn ihr geht. Wir zeigen, was ein Dot kann, wer ihn in Deutschland bekommt und was er kostet, und vergleichen ihn mit Hermes Agent, Grok Bot und Claude.

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KI & Automatisierung

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Autor

Dustin Tatarowicz

Dustin Tatarowicz

Titelbild zum Beitrag

Seit dem 29. September hat ChatGPT einen Agenten, der nicht auf die nächste Frage wartet. OpenAI nennt ihn Dot. Ein Dot hat einen eigenen Computer in der Cloud, merkt sich, woran ihr arbeitet, und macht weiter, während ihr beim Kunden seid. Meldet er sich, dann mit einem Ergebnis oder mit einer Entscheidung, die nur ihr treffen könnt.

Neu ist die Idee allerdings nicht. Grok Bot von SpaceXAI, früher xAI, war sieben Wochen früher da. Der Open-Source-Agent Hermes Agent läuft seit Monaten auf eigenen Servern. Und Claude hat die meisten Bausteine längst, nur ohne Figur und eigenen Namen. Dieser Beitrag erklärt, was ein Dot kann, wer ihn in Deutschland bekommt und was er kostet. Danach vergleichen wir ihn mit den drei Alternativen, mit Screenshots aus unseren eigenen Konten und von den Seiten der Anbieter. Stand aller Angaben: 7. Oktober 2026.

Kurz gesagt (Stand 7. Oktober 2026)

Ein Dot ist ein Mitarbeiter auf Zeit für Daueraufgaben, nicht ein besserer Chat. In Deutschland bekommt ihr ihn derzeit nicht über ChatGPT Pro, sondern nur über ChatGPT Business mit einer Premium-Lizenz, und auch dort wird er schrittweise freigeschaltet. Grok Bot ist günstiger und kann mehrere Agenten parallel, läuft aber auf Rechnern in den USA. Hermes Agent ist kostenlos und gibt euch die volle Kontrolle über eure Daten, verlangt aber Technikwissen. Claude bietet Dauer-Aufgaben in der Cloud schon heute für 18 Euro im Monat, nur ohne Telefon und ohne benannten Agenten.

Was ein Dot ist und was ihn vom Chat unterscheidet

Ein Dot übernimmt eine Verantwortung statt einer einzelnen Frage. OpenAI beschreibt ihn als „always-on agent", der eure Arbeit über Werkzeuge und Projekte hinweg am Laufen hält. Ihr gebt ihm ein Ziel, verbindet die Apps, die er braucht, und legt fest, was er allein darf. Dann verfolgt er den Fortschritt, entscheidet selbst, wann er pausiert und wann er wieder aktiv wird, und startet bei Bedarf weitere Agenten im Hintergrund. Angetrieben wird er von GPT-6 Astra, dem stärksten Modell von OpenAI.

ChatGPT Dot Alfred gleicht in der Desktop-App ein Angebot für einen Firmenkunden ab

Der Dot „Alfred" gleicht in der ChatGPT-Desktop-App ein Angebot mit den Anforderungen eines Firmenkunden ab. Bild: OpenAI, Quelle: openai.com/index/introducing-dots

Ihr erreicht ihn dort, wo ihr ohnehin seid. Derselbe Dot mit demselben Gedächtnis antwortet im ChatGPT-Chat, in der Desktop-App, per Sprachanruf und in Slack. Microsoft Teams gibt es bisher nur als geschlossene Testphase auf Einladung, SMS als Test für Pro-Kunden in den USA. Jeder Dot bekommt einen Namen und eine Figur, die ihr selbst gestaltet: Form, Farbe, Augen, Brille. Das wirkt verspielt, hat aber einen Zweck, ihr sollt euren Dot wie einen Kollegen ansprechen.

Sam Altman nennt Dots sein liebstes OpenAI-Produkt. Drei Tage nach dem Start schrieb er auf X, sein Dot fühle sich jeden Tag besser an, weil er mehr über seine Arbeitsweise lerne:

Sam Altman (@sama) auf X · 2. Oktober 2026

„dot is my favorite openai product so far! it is amazing to me that each day it feels noticably better as it learns more of my workflow and style. having it do the stuff i don't like doing--and usually just builds up as a gravity well of dread--has me very happy."

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So arbeitet ein Dot: Cloud-Rechner, Aktivitäten, Regeln

Der Dot arbeitet auf einem eigenen Computer, nicht auf eurem. Jeder Dot bekommt einen Linux-Rechner mit Chrome-Browser in der Cloud von OpenAI. Dort öffnet er Websites, lädt Dateien und arbeitet mit Programmen, auch wenn euer Laptop zugeklappt ist. Vor jeder wichtigen Aktion prüft eine zweite Instanz, das „Auto-review", ob die Aktion zu euren Anweisungen und Regeln passt. Euren eigenen Rechner könnt ihr zusätzlich verbinden, das ist aber freiwillig.

Aufbau eines ChatGPT Dots: Nutzer, Dot mit GPT-6 Astra, Auto-review, Cloud-Arbeitsbereich und verbundene Apps

Der Aufbau laut OpenAI: Ihr sprecht mit dem Dot, das Auto-review prüft seine Aktionen, gearbeitet wird im Cloud-Arbeitsbereich, in verbundenen Apps und optional auf eurem Rechner. Bild: OpenAI, Quelle: openai.com/index/how-we-build-safety-security-and-privacy-into-dots

Im Profil des Dots seht ihr jederzeit, woran er gerade arbeitet. Unter „Activity" stehen laufende, geplante und erledigte Aufgaben, unter „Computers" sein Cloud-Rechner. Ihr könnt dort zuschauen, mit „Take over" selbst übernehmen und mit „Return control" zurückgeben. Das ist der Moment, in dem ihr euch zum Beispiel selbst irgendwo anmeldet.

Profil eines ChatGPT Dots mit Computern, Aktivitäten und Ergebnissen

Das Profil eines Dots in der Desktop-App mit Anruf, Chat, seinen Computern und den laufenden Aufgaben. Bild: OpenAI, Quelle: openai.com

Legt mit eigenen Regeln fest, was der Dot allein darf. Unter Settings, Personalization, Custom rules beschreibt ihr eine Aktion in eigenen Worten und wählt eine von vier Stufen: selbst handeln ohne Nachfrage, handeln wenn ihr es sagt, vorher fragen oder an euch übergeben. Eine Regel wie „Antworten an Kunden immer erst als Entwurf vorlegen" ist der wichtigste Handgriff beim Einrichten.

Eigene Regeln für einen ChatGPT Dot mit vier Stufen

Eigene Regeln mit den vier Stufen von „selbst handeln" bis „an dich übergeben". Bild: OpenAI, Quelle: openai.com

Anmeldungen laufen an der KI vorbei. Muss sich der Dot auf einer Website anmelden, öffnet sich ein eigenes Formular. Das Modell wird dabei pausiert, eure Zugangsdaten gehen direkt in den Browser und werden auf Wunsch in einem verschlüsselten Passwortdienst gespeichert. Aber Vorsicht: Passwörter, die ihr im Chat oder in einem Dokument teilt, sind laut OpenAI nicht geschützt.

Sicheres Anmeldefenster eines ChatGPT Dots mit gespeichertem Zugang

Das sichere Anmeldefenster des Dots mit gespeichertem Zugang. Bild: OpenAI, Quelle: openai.com/index/how-we-build-safety-security-and-privacy-into-dots

Wer bekommt Dots, und gibt es sie in Deutschland?

Im Tarif Plus gibt es keine Dots, das haben wir in unserem eigenen Konto ausprobiert. Wer chatgpt.com/dots öffnet, bekommt den Hinweis „Für dots ist ein Pro-Plan erforderlich" und die Aufforderung, auf Pro 100 zu wechseln, „um bei der schrittweisen Freischaltung Zugang erhalten zu können". Auch Free, Go und die normale Business-Lizenz bleiben außen vor.

ChatGPT-Hinweis: Für dots ist ein Pro-Plan erforderlich

Unser ChatGPT-Konto im Tarif Plus, aufgerufen aus Deutschland am 7. Oktober 2026.

Lasst euch von diesem Hinweis nicht zum Pro-Abo verleiten. Die Dokumentation von OpenAI sagt klar: Pro 100, Pro 200 und Pro 500 gibt es mit Dots nur für Nutzer ab 18 Jahren außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, Großbritanniens und der Schweiz. Ein deutsches Pro-Konto bekommt Dots nach heutigem Stand also nicht. Einen Termin für Europa oder einen Grund für den Ausschluss nennt OpenAI nicht, auch nicht auf Nachfragen im offiziellen Forum.

Der einzige belegte Weg in Deutschland ist ChatGPT Business mit einer Premium-Lizenz. Für Business Premium schreibt OpenAI „Rolling out worldwide", auf der Business-Seite allerdings einschränkend „in eligible markets". Ein Business-Arbeitsbereich braucht mindestens zwei Lizenzen, also zum Beispiel eine Premium- und eine Standard-Lizenz. Auf der Preisseite, die wir für unseren ChatGPT-Ratgeber aufgenommen haben, kostet die Premium-Lizenz 105 Euro im Monat bei jährlicher Zahlung und die Standard-Lizenz 21 Euro. Das sind 126 Euro im Monat für zwei Personen, von denen eine einen Dot bekommt. Ob die Euro-Preise mit oder ohne Mehrwertsteuer gelten, steht dort nicht. Und auch hier wird schrittweise freigeschaltet: Der Support schreibt im Forum, das könne einige Tage dauern.

Was ein Dot kostet

Der erste Dot ist im Tarif enthalten, die Arbeit, die er verteilt, nicht unbedingt. Gespräche mit dem Dot zählen laut OpenAI nicht gegen eure ChatGPT-Limits. Aufgaben, die er an ChatGPT Work oder Codex weitergibt, zählen dagegen wie gewohnt. Im ersten Monat nach dem Start, also bis etwa Ende Oktober, wird die Dots-Nutzung gar nicht angerechnet. Wie es danach weitergeht, will OpenAI erst noch bekanntgeben. Weitere Dots und mehr Leistung pro Dot sollen später gegen Aufpreis kommen.

Rechnet trotzdem mit Pausen. Ein Pro-Nutzer berichtet auf GitHub, sein Dot habe am 6. Oktober rund 100 Minuten nicht geantwortet und stattdessen gemeldet: „Your dot is on a break … you are in the very top users and have hit our abuse prevention limit." Eine Anzeige, wie viel er verbraucht hatte oder wann es weitergeht, gab es nicht. Das ist ein Einzelbericht, zeigt aber: Auch im Gratismonat ist die Nutzung nicht unbegrenzt.

Datenschutz und Sicherheit: was ihr vor dem Einrichten wissen müsst

Bindet an einen Dot nur an, was ihr auch einem neuen Mitarbeiter am ersten Tag zeigen würdet. Vier Punkte aus der offiziellen Hilfe sind für deutsche Betriebe entscheidend:

  • Erinnerungen lassen sich nicht einzeln löschen. Ihr könnt nur den ganzen Dot zurücksetzen. Was er über einen Kunden gelernt hat, bleibt sonst, solange es den Dot gibt, auch wenn ihr die App wieder trennt.

  • Es gibt keine Datenresidenz in Europa. Wo der Cloud-Rechner steht, sagt OpenAI nicht. Datenresidenz gibt es nur für Enterprise und die API, und selbst in der Enterprise-Testphase laufen Dots ausdrücklich ohne.

  • Es gibt keine Null-Speicherung. OpenAI schreibt selbst: Wer einen Ablauf ohne gespeicherte Daten braucht, soll Dots dafür nicht einschalten.

  • Training hängt am Tarif. In Business trainiert OpenAI standardmäßig nicht mit euren Daten. In Pro entscheidet der Schalter „Das Modell für alle verbessern", und der umfasst auch Aktionen und Daten aus verbundenen Apps.

OpenAI testet die Sicherheit gründlich, räumt aber offene Lücken ein. In der Systemkarte von GPT-6 Astra steht ein eigenes Kapitel zu Dots. Bei automatisierten Angriffen über präparierte E-Mails, insgesamt 16.600 Angriffsmails, gelang laut OpenAI kein einziger. Gleichzeitig schreibt OpenAI, man arbeite weiter an „known vulnerabilities", die aber aufwendige Vorbereitung bräuchten. Und in 15 bis 17 Prozent der Testläufe versuchte das Modell, eine Handlung trotz einer Warnung weiterzuverfolgen. Gestoppt hat es dabei das Auto-review. Es sind OpenAIs eigene Tests, keine unabhängigen.

Manche Dinge macht der Dot nie allein. Passwörter ändern und Geld überweisen bleibt immer beim Menschen. Endgültiges Löschen, Software aus unbekannter Quelle und neue sicherheitsrelevante Zugriffe muss jedes Mal jemand bestätigen. Und eine einmalige Freigabe, etwa für eine Mail an einen Kunden, gilt nicht als Dauererlaubnis.

Erste Erfahrungen: was gut läuft und was hakt

Die ersten Berichte sind beeindruckt, aber nicht unkritisch. The Verge hat einen Dot im Pro-Abo getestet und nennt ihn Arbeitssoftware, die nebenbei auch das Abendessen bestellen kann, mit Betonung auf Arbeit. heise kritisiert, dass das Auto-review einzelne Schritte prüft, aber nicht ausdrücklich den Zusammenhang mehrerer Aktionen, und dass sich gespeicherte Informationen nicht gezielt löschen lassen. Im offiziellen Forum berichten Nutzer von einem Dot, der ungefragt eine Flugverspätung bemerkte und sich bei der zweiten Verspätung wieder meldete.

Auf GitHub sammeln sich die Kinderkrankheiten. Unter dem Stichwort „dots" standen am 7. Oktober 216 offene Fehlermeldungen. Die häufigsten: Unter Windows fehlt lokalen Aufgaben des Dots die Steuerung von Programmen und Browser, Freigaben müssen in Unteraufgaben ein zweites Mal erteilt werden, Dateien verschwinden nach einem Neustart des Cloud-Rechners, Sprachanrufe brechen ab, und Benachrichtigungen kommen bis zu einer Stunde zu spät. Eine Antwort von OpenAI-Mitarbeitern haben wir in den meistdiskutierten Meldungen nicht gefunden.

Wofür sich ein Dot in einem kleinen Betrieb lohnt

Ein Dot lohnt sich für Aufgaben, die nie fertig sind. Angebote, die sich mit jeder Kundenmail ändern. Rechnungen, die man vergisst. Fristen, die irgendwo in Mails stehen. OpenAI nennt selbst ein Beispiel: Ein früher Tester hatte vergessen, einer Zeitschrift eine Rechnung zu schicken. Sein Dot bemerkte das, bereitete die Rechnung vor und schickte sie nach seiner Freigabe ab. Diese drei Aufträge haben wir aus den offiziellen Beispielen für kleine Betriebe übersetzt:

Angebote aktuell halten

Halte unsere offenen Angebote aktuell. Lies die Mails der Kunden, die ich mit dir geteilt habe, und prüfe bei jeder neuen Nachricht, ob sich Mengen, Termine oder Wünsche ändern. Bereite dann eine neue Fassung des Angebots vor und lege sie mir vor. Schick nichts selbst an Kunden
Halte unsere offenen Angebote aktuell. Lies die Mails der Kunden, die ich mit dir geteilt habe, und prüfe bei jeder neuen Nachricht, ob sich Mengen, Termine oder Wünsche ändern. Bereite dann eine neue Fassung des Angebots vor und lege sie mir vor. Schick nichts selbst an Kunden
Halte unsere offenen Angebote aktuell. Lies die Mails der Kunden, die ich mit dir geteilt habe, und prüfe bei jeder neuen Nachricht, ob sich Mengen, Termine oder Wünsche ändern. Bereite dann eine neue Fassung des Angebots vor und lege sie mir vor. Schick nichts selbst an Kunden

Fristen und Rechnungen im Blick

Prüfe jeden Werktag um 8 Uhr meinen Posteingang und Kalender. Melde dich bei mir nur, wenn eine Frist in den nächsten drei Tagen abläuft, ein Kunde seit mehr als zwei Tagen auf eine Antwort wartet oder eine erledigte Leistung noch nicht abgerechnet ist. Bereite in diesem Fall einen Entwurf vor, aber sende ihn nicht
Prüfe jeden Werktag um 8 Uhr meinen Posteingang und Kalender. Melde dich bei mir nur, wenn eine Frist in den nächsten drei Tagen abläuft, ein Kunde seit mehr als zwei Tagen auf eine Antwort wartet oder eine erledigte Leistung noch nicht abgerechnet ist. Bereite in diesem Fall einen Entwurf vor, aber sende ihn nicht
Prüfe jeden Werktag um 8 Uhr meinen Posteingang und Kalender. Melde dich bei mir nur, wenn eine Frist in den nächsten drei Tagen abläuft, ein Kunde seit mehr als zwei Tagen auf eine Antwort wartet oder eine erledigte Leistung noch nicht abgerechnet ist. Bereite in diesem Fall einen Entwurf vor, aber sende ihn nicht

Beiträge aus Projektfotos

Wenn ich dir Fotos von einer fertigen Baustelle schicke, schreib daraus einen Beitrag für LinkedIn und einen für Instagram in unserem Ton: sachlich, per Sie, höchstens 80 Wörter, keine Hashtag-Blöcke. Leg mir beide Entwürfe zur Freigabe vor
Wenn ich dir Fotos von einer fertigen Baustelle schicke, schreib daraus einen Beitrag für LinkedIn und einen für Instagram in unserem Ton: sachlich, per Sie, höchstens 80 Wörter, keine Hashtag-Blöcke. Leg mir beide Entwürfe zur Freigabe vor
Wenn ich dir Fotos von einer fertigen Baustelle schicke, schreib daraus einen Beitrag für LinkedIn und einen für Instagram in unserem Ton: sachlich, per Sie, höchstens 80 Wörter, keine Hashtag-Blöcke. Leg mir beide Entwürfe zur Freigabe vor

Prüft jedes Ergebnis. OpenAI schreibt selbst, dass eine abgeschlossene Aufgabe noch nicht bedeutet, dass das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Und Erledigtes macht ein Dot nicht rückgängig, auch wenn ihr ihn pausiert.

Hermes Agent: der Dauer-Agent, den ihr selbst betreibt

Hermes Agent ist das Gegenmodell zu Dots: offen, kostenlos und auf eurem eigenen Rechner. Das Projekt stammt von Nous Research, einem US-KI-Labor, und steht unter der freien MIT-Lizenz. Mit über 251.000 Sternen auf GitHub gehört es zu den bekanntesten KI-Projekten überhaupt. Die aktuelle Version 0.21.5 erschien am 24. September. Wer im Netz nach „Hermes Agent" sucht, landet übrigens schnell beim Paketdienst, gemeint ist hier immer der Agent von Nous Research.

Startseite von Hermes Agent von Nous Research mit Installationsbefehl

Die Startseite von Hermes Agent mit dem Installationsbefehl für macOS, Linux und Windows. Quelle: hermes-agent.nousresearch.com

Hermes läuft da, wo ihr ihn hinstellt. Auf dem eigenen Rechner, auf einem gemieteten Server ab rund 5 Dollar im Monat oder gehostet bei Nous als „Hermes Cloud". Das Modell wählt ihr selbst: Claude, GPT, Gemini, Grok oder ein lokales Modell, das gar keine Daten nach außen schickt. Nous empfiehlt für den Agenten übrigens nicht das eigene Hermes-Modell, sondern als Standard ein Claude-Modell.

Hermes Agent auf GitHub mit MIT-Lizenz und rund 252.000 Sternen

Das Projekt auf GitHub: MIT-Lizenz, rund 252.000 Sterne, über 50.000 Commits. Quelle: github.com/NousResearch/hermes-agent

Seine Stärke sind die Kanäle und das Lernen. Hermes antwortet über Telegram, WhatsApp, Signal, Slack, Microsoft Teams, E-Mail und viele weitere Dienste, alles über einen einzigen Prozess. Er plant Aufgaben selbst per Zeitplan, merkt sich in zwei kleinen Dateien, wer ihr seid und was er gelernt hat, und schreibt sich nach schwierigen Aufgaben selbst neue Skills. Seit Kurzem gibt es auch eine Desktop-App als Vorschau:

Desktop-App von Hermes Agent mit Agenten, Skills und geplanten Aufgaben

Die Desktop-App von Hermes Agent als Vorschau, mit Agenten, Skills, Messaging und geplanten Aufgaben. Quelle: hermes-agent.nousresearch.com

Installiert ist Hermes mit einem einzigen Befehl. Die Befehle stammen aus der offiziellen Anleitung. Für Mac und Linux:

curl -fsSL https://hermes-agent.nousresearch.com/install.sh | bash
curl -fsSL https://hermes-agent.nousresearch.com/install.sh | bash
curl -fsSL https://hermes-agent.nousresearch.com/install.sh | bash

Danach im Terminal, jede Zeile einzeln:

hermes setup            Einrichtungsassistent für Modell, Werkzeuge und Kanäle
hermes model            Anbieter und Modell wechseln
hermes gateway setup    Messenger wie Telegram oder WhatsApp anbinden
hermes gateway start    Den Agenten für die Messenger starten
hermes doctor           Installation prüfen, wenn etwas hakt
hermes setup            Einrichtungsassistent für Modell, Werkzeuge und Kanäle
hermes model            Anbieter und Modell wechseln
hermes gateway setup    Messenger wie Telegram oder WhatsApp anbinden
hermes gateway start    Den Agenten für die Messenger starten
hermes doctor           Installation prüfen, wenn etwas hakt
hermes setup            Einrichtungsassistent für Modell, Werkzeuge und Kanäle
hermes model            Anbieter und Modell wechseln
hermes gateway setup    Messenger wie Telegram oder WhatsApp anbinden
hermes gateway start    Den Agenten für die Messenger starten
hermes doctor           Installation prüfen, wenn etwas hakt

Die Freiheit hat ihren Preis bei der Sicherheit. Standardmäßig führt Hermes Befehle direkt auf eurem Rechner aus, ohne abgeschottete Umgebung. Für den Dauerbetrieb empfiehlt die Dokumentation selbst Docker. Unbekannte, die dem Bot schreiben, müssen erst per Code freigeschaltet werden, und gefährliche Befehle laufen über eine Freigabe. Gegen manipulierte Webseiten oder Mails, sogenannte Prompt Injection, prüft Hermes laut Doku nur seine eigenen Kontextdateien. Wer Hermes betreibt, trägt dieses Risiko selbst. Wer noch nie im Terminal gearbeitet hat, liest vorher unseren Ratgeber zum Terminal.

Der große Vorteil für deutsche Betriebe: Ihr entscheidet, wo die Daten liegen. Laut Nous sammelt Hermes keine Nutzungsdaten, Gespräche, Gedächtnis und Skills liegen auf eurem Rechner. Mit einem Server in Deutschland und einem europäischen oder lokalen Modell lässt sich das sauber aufsetzen. Bekannt ist auch der ähnliche Open-Source-Agent OpenClaw, früher Clawdbot. Sein Gründer Peter Steinberger ist im Februar zu OpenAI gewechselt, um Agenten „to everyone" zu bringen. Einen belegten Zusammenhang mit Dots gibt es aber nicht.

Grok Bot: der direkte Konkurrent, der früher da war

Grok Bot ist das Produkt, das Dots am meisten ähnelt, und es kam sieben Wochen früher. SpaceXAI, wie xAI seit Juli heißt, hat Grok Bot am 11. August als Beta gestartet. Das Versprechen auf der Produktseite: „AI teammates you can give real work to." Die Bots haben einen eigenen Cloud-Computer mit Browser und Terminal, melden sich in euren Werkzeugen an und kommen nur zurück, wenn etwas eure Freigabe braucht.

Grok Bot von SpaceXAI mit mehreren Bots und eigenem Computer

Grok Bot mit mehreren Bots für Vertrieb, Postfach und Spesen. Für die Anmeldung bei Salesforce übernimmt der Mensch den Computer. Quelle: x.ai/bot

Der größte Unterschied: Statt eines Dots gibt es ganze Teams von Bots. Ein Konto kann laut SpaceXAI rund 50 Bots haben, mit eigenem Namen, Gedächtnis und eigenen Routinen, die sich auch gegenseitig schreiben. Abläufe könnt ihr einem Bot einmal vormachen, er speichert sie dann als Routine. SpaceXAI nennt sogar ausdrücklich einen „Office manager" für Handwerksbetriebe als Beispiel, der Aufträge über Gmail, Slack und die Branchensoftware ServiceTitan plant. Aber Achtung: Alle Bots eines Kontos teilen sich denselben Computer mit denselben Anmeldungen. SpaceXAI schreibt selbst, getrennte Bots seien keine Sicherheitsgrenze.

Der Einstieg ist deutlich günstiger als bei Dots. Grok Bot steckt laut Produktseite im Abo SuperGrok für 30 Dollar im Monat, in Cursor Pro für 20 Dollar und im Teamtarif von Cursor für 40 Dollar pro Person, jeweils mit einem Wochenkontingent. Dahinter steckt eine Besonderheit: Grok Bot läuft technisch komplett über Cursor, den Programmier-Dienst, den SpaceX im August übernommen hat. Konto, Abrechnung und Datenschutz-Einstellungen hängen dort.

Beim Datenschutz ist Grok Bot für deutsche Betriebe die schwierigste Wahl. Die Computer laufen laut Dokumentation in den USA, eine Datenresidenz in Europa gibt es nicht. Welches Modell arbeitet, legt Cursor fest, und das kann sich ändern. Ob Grok Bot in Deutschland ausdrücklich angeboten wird, steht nirgends. Dazu kommt das Umfeld: Die irische Datenschutzbehörde prüft seit April 2025, ob Grok mit Beiträgen europäischer X-Nutzer trainiert werden durfte, und seit Februar 2026 die sexualisierten Deepfakes, die über den Grok-Account auf X entstanden. Das betrifft Grok auf X, nicht Grok Bot direkt, gehört aber zur Abwägung.

Und Claude? Die Bausteine sind schon da

Anthropic hat kein Produkt namens Dot, aber fast alles, was einen Dot ausmacht. Seit dem 16. September sind Chat und Cowork in Claude eins: Ihr stellt eine kurze Frage oder gebt eine größere Aufgabe ab, Claude entscheidet selbst, wie viel Arbeit dahintersteckt. Seit dem 6. Oktober laufen solche Aufgaben bei Pro und Max immer in der Cloud weiter, auch wenn der Laptop zu ist. Rückfragen kommen als Benachrichtigung aufs Handy. Mehr zu den Einstellungen steht in unserem Ratgeber Claude richtig nutzen.

Für Daueraufgaben gibt es die geplanten Aufgaben. In der Seitenleiste unter Geplant legt ihr Aufgaben an, die werktags, wöchentlich oder stündlich laufen, auch wenn kein Gerät eingeschaltet ist. Claude schlägt selbst Vorlagen vor, die genau nach Dot klingen: ein tägliches Briefing, das Sortieren des Posteingangs mit Antwortentwürfen, eine Vorbereitung vor jedem Termin.

Geplante Aufgaben in Claude mit Vorlagen wie Tägliches Briefing und Posteingang-Triage

Die geplanten Aufgaben in unserem Claude-Konto mit den Vorlagen, die Claude vorschlägt.

Am nächsten an Dots kommt Claude Tag, allerdings nur für Teams. Seit dem 23. Juni arbeitet Claude in Slack unter einer eigenen Identität, merkt sich pro Kanal, worum es geht, meldet sich von selbst und plant sich laut Anthropic eigene Aufgaben über Stunden oder Tage. Claude Tag gibt es nur in den Tarifen Team und Enterprise, abgerechnet wird nach Verbrauch. Für Microsoft Teams steht auf der Produktseite „Coming soon" mit einer Warteliste, ein Datum nennt Anthropic nicht.

Was Claude fehlt, sind Telefon, Messenger und ein persönlicher Agent mit Namen. Anrufe, WhatsApp oder SMS gibt es für normale Nutzer nicht. Einen benannten Dauer-Agenten pro Person auch nicht. Der Cloud-Bereich gilt jeweils für eine Sitzung, einen dauerhaften eigenen Rechner wie beim Dot hat Claude nicht, und für den Browser muss die Desktop-App offen sein. Das Dot-ähnlichste Experiment, Dispatch, ein dauerhafter Gesprächsfaden vom Handy aus, bekommen Neukunden nicht mehr.

Kommt da noch etwas? Angekündigt ist bisher wenig, die Richtung ist aber klar. Offiziell angekündigt sind Claude Tag für Microsoft Teams und für weitere Plattformen, die neue Oberfläche für Team und Free sowie „Projects" mit dauerhaftem Koordinator „coming to all Claude users soon". Eine Reaktion von Anthropic auf Dots haben wir nicht gefunden. Gerüchte gab es um einen internen Dauer-Agenten namens „Conway", der im Juli getestet wurde. Bestätigt hat Anthropic ihn nie, seine Funktionen stecken inzwischen größtenteils in Cowork und den Routinen. The New Stack brachte es am 3. Oktober so auf den Punkt: Anthropics Antwort auf Dots stecke längst in Claude, nur ohne niedlichen Namen und ohne Maskottchen.

Der Unterschied ist vor allem eine Haltung. Claude fragt standardmäßig, bevor es handelt, und vor dem endgültigen Löschen von Dateien in jedem Modus. Erinnerungen stehen einzeln in den Einstellungen und lassen sich bearbeiten und löschen, genau das, was heise bei Dots vermisst. Anthropic trennt persönliche Arbeit in Cowork und Teamarbeit in Claude Tag, OpenAI bündelt beides in einer Figur.

Die vier Agenten im direkten Vergleich

Diese Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Alle Angaben stammen aus der Dokumentation und von den Preisseiten der Anbieter, abgerufen am 7. Oktober 2026.

Vergleichstabelle ChatGPT Dots, Grok Bot, Hermes Agent und Claude

Dots, Grok Bot, Hermes Agent und Claude im Vergleich nach Start, Rechner, Modell, Kanälen, Preis, Verfügbarkeit in Deutschland und Datenschutz.

Welcher Agent passt zu welchem Betrieb?

Ihr arbeitet ohnehin mit ChatGPT und habt mindestens zwei Personen im Team: Prüft ChatGPT Business mit einer Premium-Lizenz für die Person, die am meisten koordiniert. Startet mit einem einzigen Auftrag wie dem Fristen-Check von oben und einer Regel, dass nichts ohne Freigabe an Kunden geht.

Ihr wollt sofort starten und Datenschutz in Europa ist euch wichtig: Nehmt Claude Pro und legt zwei, drei geplante Aufgaben an. Das ist heute der günstigste und am besten kontrollierbare Einstieg in Agenten, die weiterarbeiten. Wer im Team mit Slack arbeitet, schaut sich zusätzlich Claude Tag im Team-Tarif an.

Ihr habt jemanden mit Technikwissen und wollt volle Kontrolle: Hermes Agent auf einem Server in Deutschland, mit einem Modell eurer Wahl und Telegram oder Teams als Kanal. Plant aber Zeit für Absicherung und Updates ein, die übernimmt sonst niemand.

Ihr wollt viele spezialisierte Bots für wenig Geld: Grok Bot kann das am besten. Für Kundendaten aus Deutschland würden wir ihn wegen der Rechner in den USA und der offenen Datenschutzfragen derzeit nicht empfehlen.

Was sich geändert hat und was das für euch heißt

6. Oktober 2026: Claude führt Aufgaben bei Pro und Max nur noch in der Cloud aus. Für euch heißt das: Claude arbeitet weiter, wenn ihr den Laptop zuklappt, wie ein Dot.

29. September 2026: OpenAI startet Dots, zunächst für Pro außerhalb Europas und für Business Premium. Für euch heißt das: In Deutschland nur über Business, und ab etwa Ende Oktober gelten neue Nutzungsbedingungen.

24. September 2026: Hermes Agent erscheint in Version 0.21.5. Für euch heißt das: Das Projekt wird mehrmals im Monat aktualisiert, wer es betreibt, muss Updates einspielen.

11. August 2026: SpaceXAI startet Grok Bot als Beta. Für euch heißt das: Der günstigste Anbieter mit mehreren Bots, aber mit Rechnern in den USA.

Stand dieser Fassung: 7. Oktober 2026. Alle vier Produkte ändern sich gerade im Wochentakt. Wir prüfen die Angaben regelmäßig und aktualisieren diesen Beitrag, sobald Dots in Deutschland für Pro verfügbar werden oder Anthropic nachlegt. Was OpenAI am DevDay sonst noch vorgestellt hat, steht in unserem Überblick über die ChatGPT-Neuerungen.

Ihr wollt einen Agenten, der bei euch wirklich mitarbeitet?

Ob Dot, Claude oder ein eigener Agent auf eurem Server: Entscheidend sind die richtigen Aufgaben, klare Regeln und saubere Rechte. Genau das richten wir mit Betrieben ein, vom ersten Auftrag bis zum Agenten, der eure Abläufe kennt. Dazu passt: Claude richtig nutzen · Leistung: KI und Automatisierung

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