Google-Unternehmensprofil für Handwerksbetriebe: der unterschätzte Kanal
Der Kartenbereich steht über allen Suchergebnissen und kostet nichts. Wie ihr Kategorie, Leistungen und Bewertungen richtig aufsetzt. Aus 19 Jahren Praxis.
Datum
Kategorie
Autor

Der Kanal, den fast alle vernachlässigen
Wenn jemand „Elektriker Köln" oder „Dachdecker in der Nähe" sucht, sieht er zuerst eine Karte mit drei Einträgen. Erst darunter beginnt das, was die meisten mit Suchergebnissen meinen.
Diese drei Plätze gehören nicht der Website. Sie gehören dem Google-Unternehmensprofil, dem kostenlosen Eintrag, den fast jeder Betrieb irgendwann einmal angelegt und danach nie wieder angefasst hat.
Für Handwerksbetriebe ist das in der Regel der wichtigste Kanal überhaupt. Er ist kostenlos, er steht über allem anderen, und der Wettbewerb um ihn ist erstaunlich schwach, weil die meisten ihn für einen Adresseintrag halten statt für das, was er ist.
Was die Reihenfolge bestimmt
Google nennt drei Faktoren: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit.
Entfernung könnt ihr nicht beeinflussen. Wer in Ehrenfeld sucht, bekommt eher Betriebe aus Ehrenfeld. Das ist auch der Grund, warum ihr in Nachbarorten schlechter erscheint, kein Fehler, sondern Absicht.
Relevanz heißt: Wie gut passt euer Eintrag zur Suchanfrage? Hier liegt der größte ungenutzte Hebel, weil die meisten Profile viel zu dünn ausgefüllt sind.
Bekanntheit speist sich aus Bewertungen, Erwähnungen im Netz und Einträgen in Verzeichnissen.
Zwei von drei Faktoren sind Arbeit, die ihr an einem Nachmittag beginnen könnt.
Die Kategorie ist die wichtigste Einstellung
Jedes Profil hat eine Hauptkategorie und mehrere Nebenkategorien. Die Hauptkategorie hat mehr Gewicht als alles andere im Profil.
Der typische Fehler ist eine zu allgemeine Wahl. Ein Betrieb, der überwiegend Photovoltaik installiert, steht unter „Elektriker", und konkurriert damit gegen jeden, der Steckdosen setzt. Unter „Solaranlagen-Installateur" wäre das Feld deutlich kleiner und die Anfragen deutlich passender.
Nehmt euch zehn Minuten und schaut, unter welcher Hauptkategorie eure drei stärksten Mitbewerber stehen. Dann entscheidet, ob ihr dort mitspielen wollt oder in einer präziseren Nische unangefochten seid. In den meisten Fällen ist die Nische besser.
Leistungen einzeln eintragen, nicht zusammenfassen
Unter der Kategorie lassen sich einzelne Leistungen anlegen, jeweils mit Beschreibung. Dieses Feld ist bei fast allen Profilen leer.
Dabei ist es genau die Stelle, an der ihr Google mitteilt, wofür ihr erscheinen sollt. Legt jede Leistung einzeln an, etwa „Photovoltaik-Anlage Einfamilienhaus", „Stromspeicher nachrüsten", „Wallbox-Installation" oder „Wartung und Reparatur", und schreibt zu jeder zwei, drei Sätze in normaler Sprache.
Dasselbe gilt für das Einsatzgebiet. Tragt die Orte ein, in die ihr tatsächlich fahrt. Nicht zwanzig, aber auch nicht nur den eigenen.
Bewertungen: die Menge zählt weniger als der Umgang
Bewertungen wirken auf zwei Ebenen. Auf die Platzierung, und auf die Entscheidung des Menschen, der zwischen drei Einträgen wählt.
Für die zweite Ebene gilt etwas Unerwartetes: Ein Profil mit 4,7 Sternen aus vierzig Bewertungen wirkt vertrauenswürdiger als eines mit glatten 5,0 aus sechs. Perfektion sieht nach Bekanntenkreis aus.
Drei Dinge, die in der Praxis den Unterschied machen:
Fragt im richtigen Moment. Nicht per Serienmail Wochen später, sondern direkt nach der Abnahme, wenn die Anlage läuft und die Freude echt ist. Ein Monteur mit QR-Code auf der Visitenkarte holt mehr Bewertungen als jede Kampagne.
Antwortet auf jede Bewertung. Auch auf die guten, auch kurz. Das signalisiert Aktivität.
Antwortet auf schlechte sachlich. Eine ruhige, konkrete Antwort auf eine Ein-Stern-Bewertung überzeugt mehr Leser als die zwanzig Fünf-Sterne darüber. Wer sich rechtfertigt oder angreift, verliert doppelt.
Fotos: aktuell schlägt schön
Profile mit regelmäßig neuen Fotos schneiden besser ab als solche, die seit drei Jahren dasselbe Titelbild zeigen. Das kostet nichts außer Gewohnheit.
Was funktioniert: Bilder von tatsächlichen Baustellen, das Team, die Fahrzeuge, ein fertiges Projekt. Was nicht funktioniert: gekaufte Stockfotos. Die erkennt inzwischen jeder, und sie erzeugen genau das Misstrauen, das ihr abbauen wolltet.
Ein Foto pro abgeschlossenem Auftrag reicht völlig, das ergibt von selbst einen stetigen Strom.
Der Punkt, an dem es mit eurer Website zusammenhängt
Profil und Website sind kein getrenntes Thema. Google gleicht beides ab.
Firmenname, Adresse und Telefonnummer müssen exakt übereinstimmen, auf dem Profil, im Impressum, im Footer und in jedem Verzeichnis, in dem ihr steht. „Str." hier und „Straße" dort ist bereits eine Abweichung.
Verlinkt nicht stumpf auf die Startseite. Wenn eine Leistung im Profil „Wallbox-Installation" heißt, sollte sie auf die Seite zu Wallboxen verweisen, nicht auf die Übersicht.
Die Telefonnummer muss klickbar sein. Klingt selbstverständlich, fehlt aber auf vielen Handwerkerseiten, und ein großer Teil dieser Suchanfragen passiert am Handy.
Was ihr diese Woche tun könnt
Wenn ihr nur eine Stunde habt, in dieser Reihenfolge:
Hauptkategorie prüfen und gegebenenfalls präzisieren.
Alle Leistungen einzeln anlegen, mit je zwei Sätzen.
Einsatzgebiet auf die Orte setzen, in die ihr wirklich fahrt.
Angaben mit Impressum und Website abgleichen.
Die letzten fünf zufriedenen Kunden anrufen und um eine Bewertung bitten.
Das ist kein Projekt, das eine Agentur braucht. Es ist ein Nachmittag, und er bringt in vielen Fällen mehr als der nächste Website-Relaunch.
Fazit
Das Google-Unternehmensprofil ist für Handwerksbetriebe kein Nebenschauplatz, sondern häufig der Ort, an dem die Entscheidung fällt. Es kostet nichts, es steht über den Suchergebnissen, und die meisten Mitbewerber pflegen es nicht.
Wer Kategorie, Leistungen und Bewertungen ernst nimmt, verschafft sich einen Vorsprung, der über die Website allein kaum zu holen wäre.
Passt eure Website dazu?
Ein gepflegtes Profil bringt Menschen auf eure Seite, und dort entscheidet sich, ob daraus eine Anfrage wird. Wenn ihr wissen wollt, wo es bei euch hakt, schreibt uns kurz über das Kontaktformular. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden, persönlich und ohne Vertriebsgespräch.
Weitere Artikel
© Marschfahrt Studio
Praxiswissen rund um Webdesign, SEO, KI und Conversion-Optimierung. Aus echten Projekten, ohne Marketing-Filter.

