UI und UX Design: der Unterschied einfach erklärt, mit Beispielen
UI ist die Oberfläche, UX das, was Besucher dabei erleben und ob sie ans Ziel kommen. Wir zeigen den Unterschied an einem Formular, an unserem eigenen Anfrageweg und an echten Projekten, mit Prüfliste und Fragen für eure Agentur.
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„Ist UX nicht einfach das Design? Wir wollen ja nur, dass die Seite moderner aussieht." Diese Frage hören wir in fast jedem Erstgespräch, meistens kurz bevor es um das Budget geht. Sie ist berechtigt, denn die beiden Kürzel UI und UX stehen inzwischen in jedem Angebot, und kaum jemand erklärt, was sich dahinter verbirgt.
Der Unterschied ist schnell erzählt, aber er entscheidet darüber, ob eine neue Website nur anders aussieht oder auch mehr Anfragen bringt. In diesem Beitrag zeigen wir ihn an Dingen, die ihr kennt: an einem Kontaktformular, an unserem eigenen Anfrageweg und an Projekten aus dem Handwerk und der Solarbranche. Dazu kommen belegte Zahlen, eine Prüfliste für die eigene Seite, die Pflichten aus dem Barrierefreiheitsgesetz und die Fragen, die ihr einer Agentur stellen solltet.
Kurz gesagt (Stand Oktober 2026)
UI ist die Oberfläche, die man sieht und bedient. UX ist das, was ein Mensch dabei erlebt, und ob er sein Ziel erreicht. UI umfasst Schrift, Farben, Knöpfe und Formularfelder, UX beginnt früher: bei der Frage, welche Inhalte jemand braucht, in welcher Reihenfolge und was nach dem Klick passiert. Eine schöne Oberfläche kann trotzdem in die Sackgasse führen, deshalb der nützlichste Handgriff: Füllt heute euer eigenes Kontaktformular am Handy aus, mit dem Daumen und ohne Vorwissen, und zählt jede Stelle, an der ihr zögert.
UI und UX in einem Satz, so wie es die Norm sagt
Nehmt für den Unterschied die Normdefinition, dann redet niemand im Projekt aneinander vorbei. Die internationale Norm ISO 9241-210 in der Fassung von 2019 beschreibt User Experience als Wahrnehmungen und Reaktionen eines Menschen, die aus der Nutzung oder der erwarteten Nutzung eines Systems, Produkts oder einer Dienstleistung entstehen. In der deutschen Fassung, wie sie das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation zitiert, heißt das: „Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person, die aus der tatsächlichen und/oder der erwarteten Benutzung eines Produkts, eines Systems oder einer Dienstleistung resultieren."
Wichtig ist das Wort „erwartet". UX beginnt laut Norm also nicht erst auf eurer Seite, sondern schon beim Suchergebnis, und sie hört nicht beim Absenden auf. Die Anmerkungen zur Norm nennen ausdrücklich Gefühle, Überzeugungen und Erfolgserlebnisse vor, während und nach der Nutzung. Für eine Firmenwebsite heißt das: Auch die Bestätigungsmail und die Geschwindigkeit eurer Antwort gehören zur UX.
Das User Interface definiert dieselbe Norm als alle Bestandteile, die Informationen und Bedienelemente bereitstellen. Gemeint sind nicht nur Farben und Schriften, sondern alles, womit jemand eine Aufgabe erledigt: Menüs, Knöpfe, Eingabefelder, Fehlermeldungen. UI ist damit ein Teil der UX, aber nicht die ganze. Schreibt diese beiden Sätze in euer nächstes Briefing, dann ist geklärt, was bestellt wird.

Dasselbe Formular, zwei Blickwinkel: UI fragt, wie es aussieht, UX fragt, ob man damit ans Ziel kommt.
Woher der Begriff kommt, und was daraus bis heute folgt
Der Begriff User Experience stammt aus dem Jahr 1993 und war von Anfang an breiter gemeint als Bildschirmgestaltung. Laut Jakob Nielsen von der Nielsen Norman Group hat Don Norman den Ausdruck in diesem Jahr für seine Abteilung bei Apple geprägt. In der späteren gemeinsamen Definition von Norman und Nielsen umfasst User Experience alle Aspekte, in denen ein Mensch mit einem Unternehmen, seinen Dienstleistungen und Produkten in Berührung kommt, nicht nur das Bedienfeld eines Geräts.
Norman und Nielsen trennen das Gesamterlebnis ausdrücklich von der Oberfläche. In ihrer gemeinsamen Definition auf der Seite der Nielsen Norman Group steht ein Beispiel, das wir gern weitererzählen: Eine Filmkritik-Seite kann eine tadellose Suche haben, das Erlebnis ist trotzdem schlecht, wenn der gesuchte Film gar nicht in der Datenbank steht. Auf eine Firmenwebsite übertragen: Die schönste Leistungsseite hilft nicht, wenn sie die eine Frage nicht beantwortet, wegen der jemand gekommen ist.
Usability ist dabei der messbare Teil. Die Norm ISO 9241-11 beschreibt Gebrauchstauglichkeit als das Ausmaß, in dem bestimmte Nutzer in einem bestimmten Zusammenhang ihre Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend erreichen. Nielsen nennt Usability eine Qualitätseigenschaft der Oberfläche: ob sie leicht zu lernen, schnell zu benutzen und angenehm ist. Fragt euch bei jeder Seite deshalb zuerst, welches Ziel ein Besucher dort hat, und erst danach, wie sie aussehen soll.
Schön ist nicht dasselbe wie gut: die vier Kombinationen
Ordnet eure eigene Website ehrlich in eines von vier Feldern ein. Starke UI mit schwacher UX ist die Hochglanz-Sackgasse: große Bilder, viel Bewegung, aber Preise, Ablauf und Kontakt muss man suchen. Schwache UI mit starker UX ist die unscheinbare Seite, über die trotzdem zuverlässig Anfragen kommen, weil die Wege kurz sind. Schwach in beidem hilft nur ein Neuaufbau, stark in beidem ist das Ziel.
Die gefährlichste Kombination ist die erste, weil sie im Freigabetermin am besten aussieht. Wir sehen das regelmäßig bei Relaunches, die nach dem Geschmack der Geschäftsführung abgenommen werden, nicht nach dem Weg der Kundschaft. Die Seite wirkt teurer, und die Anfragen gehen trotzdem zurück, weil das Telefon jetzt hinter einem Menü verschwindet oder das Formular länger geworden ist.
Die zweite Kombination ist der beste Ausgangspunkt für eine Überarbeitung. Wenn eine alte Seite Anfragen bringt, stimmt etwas an ihren Wegen. Dann lohnt es sich, diese Wege vor dem Relaunch aufzuschreiben und zu erhalten, statt alles neu zu erfinden. Mehr dazu, welche Fehler die meisten Anfragen kosten, steht in unserem Beitrag über die zehn häufigsten UX-Fehler auf Unternehmenswebsites.

UI und UX lassen sich unabhängig voneinander gut oder schlecht machen. Gefährlich ist vor allem die schöne Seite ohne klaren Weg.
Fünf Ebenen zeigen, wo UI aufhört und UX anfängt
Denkt eine Website von unten nach oben, in fünf Ebenen. Das Modell stammt von Jesse James Garrett, der es 2000 als Schaubild veröffentlicht und 2002 im Buch „The Elements of User Experience" ausgeführt hat. Ganz unten steht die Strategie: was der Betrieb erreichen will und was die Besucher brauchen. Darüber kommen der Umfang, also welche Inhalte und Funktionen es gibt, und die Struktur, also wie man sich von Seite zu Seite bewegt und was nach einem Klick passiert.
Erst die oberen beiden Ebenen sind das, was die meisten Leute „Design" nennen. Das Gerüst legt fest, wo Knöpfe, Navigation und Textblöcke sitzen und wie ein Formular aufgebaut ist. Die Oberfläche bestimmt Farben, Schrift und Bilder. Garrett ordnet dem Gerüst Interface-, Navigations- und Informationsdesign zu, der Oberfläche das visuelle Design. In unserer Übertragung heißt das: UI-Design arbeitet vor allem auf diesen beiden Ebenen, UX-Design auf allen fünf.
Jede Ebene hängt an der darunter. Garrett vergleicht das mit einem Haus, bei dem man das Dach nicht baut, bevor man die Form des Fundaments kennt. Genau hier scheitern viele Projekte: Es werden Farbwelten abgestimmt, bevor geklärt ist, welche Leistungen überhaupt eine eigene Seite bekommen. Geht deshalb im Briefing die Ebenen von unten nach oben durch und haltet zu jeder einen Satz fest. Wie ein gutes Briefing aussieht, haben wir im Beitrag warum die meisten Webprojekte am Briefing scheitern beschrieben.

Garretts fünf Ebenen, übertragen auf eine Firmenwebsite. UI-Design sitzt oben, UX-Design reicht von der Strategie bis zur Oberfläche.
Wer was macht: Aufgaben und Ergebnisse von UX- und UI-Design
Fragt nicht nach Titeln, sondern nach Ergebnissen, die ihr am Ende in der Hand haltet. Die Norm ISO 9241-210 listet für menschzentrierte Gestaltung typische Arbeitsergebnisse auf: Beschreibungen der Nutzergruppen, etwa als Personas, also Steckbriefe typischer Kunden, dann Anforderungen, Prototypen in grober und feiner Ausführung und Berichte aus Nutzertests. Das sind UX-Ergebnisse. Wer sie nicht bekommt, hat in der Regel auch keine UX-Arbeit bezahlt.
UX-Design liefert Struktur und Belege, UI-Design liefert Gestaltung und Bauteile. Zur UX gehören Gespräche mit Kunden oder die Auswertung von Suchanfragen, die Seitenstruktur, Wireframes, also graue Skizzen ohne Farben, und klickbare Prototypen. Zum UI-Design gehören Raster, Schrift, Farben, Symbole, Bildsprache und die Bauteile selbst: Knöpfe, Felder, Karten. Dazu zählen auch ihre Zustände, etwa wie ein Feld aussieht, wenn es fehlerhaft, gesperrt oder gerade ausgewählt ist.
Interaktionsdesign ist das Bindeglied zwischen beiden. Die Interaction Design Foundation beschreibt es als Gestaltung dessen, wie Menschen mit einem Produkt umgehen, mit Blick auf den Moment der Nutzung. Auf einer Website ist das etwa die Frage, ob ein Menü bei Berührung aufklappt oder erst bei einem zweiten Tippen, und was der Knopf tut, während die Anfrage verschickt wird. In kleinen Teams, auch bei uns, machen dieselben Leute beides, und das ist in Ordnung, solange beide Ergebnislisten am Ende vorliegen.

Was UX- und UI-Design jeweils klären und abliefern. In kleinen Teams arbeiten oft dieselben Personen an beidem.
Wo UX auf einer Firmenwebsite wirklich entschieden wird
Verfolgt den Weg einer Anfrage von der Suche bis zur Antwort, Station für Station. Er beginnt im Suchergebnis: Hält die Seite, was Titel und Beschreibung versprechen? Dann die Startseite: Ist in fünf Sekunden klar, was ihr macht, für wen und wo? Wer hier nur einen Slogan findet, geht zurück zu Google und klickt den nächsten Treffer.
Auf der Leistungsseite entscheidet sich, ob jemand Vertrauen fasst. Ablauf, Preisrahmen und echte Beispiele beantworten die drei Fragen, die fast jeder Interessent im Kopf hat: Wie läuft das, was kostet es ungefähr, habt ihr so etwas schon gemacht? Die Nielsen Norman Group formuliert es knapp: Wenn eine Startseite nicht klar sagt, was eine Firma anbietet und was man auf der Seite tun kann, gehen die Leute.
Am Formular und bei der Antwort reißt der Weg am häufigsten ab. Pflichtfelder, die niemand verstehen kann, ein Telefonfeld, das zwingend ist, keine Bestätigung nach dem Absenden und tagelange Funkstille: Das alles ist UX, auch wenn es mit Gestaltung wenig zu tun hat. Warum Formulare so oft das Nadelöhr sind, erklären wir im Beitrag warum über euer Kontaktformular keine Anfragen kommen. Geht den Weg heute einmal selbst, vom Suchergebnis bis zur Bestätigungsmail.

Fünf Stationen, fünf UX-Fragen. Die typischen Brüche stammen aus Website-Prüfungen, die wir für Kunden gemacht haben.
Unser eigenes Beispiel: wie wir die Anfrage auf marschfahrt.de umgebaut haben
Wir haben im Oktober 2026 unser eigenes Kontaktformular abgeschafft, und zwar aus UX-Gründen, nicht aus optischen. Vorher gab es ein klassisches Formular: Name, E-Mail, Telefon, sieben Kästchen für das Interesse und ein Nachrichtenfeld, alles Pflicht. Optisch war daran wenig auszusetzen. Aber wer nur schnell fragen wollte, ob wir einen Shop bauen, musste trotzdem seine Telefonnummer hergeben und einen Text formulieren.
Die wichtigsten Änderungen betreffen den Ablauf. Jetzt kommt eine Frage nach der anderen, zuerst das Thema, mehrere Antworten sind möglich. Die Folgefragen passen zum gewählten Thema, beim Shop andere als bei Werbeanzeigen. Das Telefon ist freiwillig, und wer mittendrin abbricht, findet seinen Stand beim nächsten Besuch wieder. Wer lieber sprechen will, landet mit einem Klick direkt im Kalender.
Die UI-Änderungen haben wir erst danach gemacht. Statt einer Kästchenliste gibt es Kacheln mit Symbol und Untertitel, und ein Zähler zeigt, wie weit man ist. Ehrlich gesagt war unsere erste Fassung zu verspielt, dunkel, mit Raster und Leuchteffekten. Sie passte nicht zum Rest der Seite und wirkte beliebig, also haben wir sie in die Sprache der übrigen Website zurückgeholt.
Belastbare Zahlen zur Wirkung haben wir noch nicht, dafür ist die Umstellung zu frisch. Messt bei eurer eigenen Umstellung deshalb vorher, wie viele Anfragen pro Monat ankommen, sonst könnt ihr später nichts vergleichen.

Unser Anfrageweg vor und nach der Umstellung. Die meisten Änderungen betreffen den Ablauf, nur zwei die Gestaltung.
Zwei Projekte, bei denen UX den Unterschied gemacht hat
Bei Pahl Energietechnik war das Problem nicht die Optik, sondern die fehlende Antwort auf die erste Kundenfrage. Die alte Website zeigte die Leistungen nur oberflächlich, und das veraltete Kontaktformular brachte vor allem Spam. Wer sich für eine Solaranlage interessierte, wollte zuerst wissen, ob sich das für sein Dach rechnet. Deshalb steht heute ein Solarkonfigurator auf der Seite, der in wenigen Minuten das Sparpotenzial samt Kostenübersicht zeigt, dazu eine ausführliche FAQ zu Förderprogrammen.
Bei den Bodenexperten fehlte der sichtbare Ablauf. Der Betrieb verlegt seit über 30 Jahren Böden, aber für neue Interessenten blieb unklar, wie ein Auftrag abläuft und wie schnell ein Angebot kommt. Die neue Seite ist um drei Schritte gebaut: Beratung und Angebot, Verlegung, gemeinsame Abnahme, jeder Schritt einzeln erklärt. Dazu kommen Kundenstimmen von der Architektin bis zum Immobilienmakler. Beides sind UX-Entscheidungen, die Gestaltung hat sie nur sichtbar gemacht.
Fragt euch für eure Seite dasselbe wie wir bei diesen Projekten. Welche Frage stellt ein Interessent zuerst, und beantwortet die Seite sie, bevor er danach suchen muss? Wenn die Antwort ein Rechner, ein Ablauf oder ein Preisrahmen ist, gehört er nach oben, nicht in die FAQ am Seitenende.
Was Zahlen über Formulare und Kassen verraten
Zählt die Felder in eurem Formular oder eurer Kasse, das ist die schnellste UX-Messung überhaupt. Das Baymard Institute, das seit Jahren Kassenprozesse in Onlineshops testet, kommt zu dem Ergebnis, dass ein idealer Bestellablauf mit 12 bis 14 Formularelementen auskommen kann, 7 bis 8, wenn man nur die Eingabefelder zählt. Ein durchschnittlicher Kassenprozess in den USA hat laut Baymard dagegen 23,48 Elemente, davon 14,88 Eingabefelder.
Viele Abbrüche haben Gründe, die sich mit Gestaltung beheben lassen. Baymard nennt eine durchschnittliche dokumentierte Abbruchrate von 70,22 Prozent, gemittelt aus 50 Studien, Stand September 2025. Unter US-Käufern, die nicht nur gestöbert haben, gaben 18 Prozent an, wegen einer erzwungenen Kontoerstellung abgebrochen zu haben, 17 Prozent wegen eines zu langen oder komplizierten Kassenprozesses. Baymard schreibt dazu, dass sich viele dieser Gründe allein durch Änderungen am Design beheben lassen.
Lest solche Zahlen mit Augenmaß. Die oft zitierte Steigerung der Konversionsrate um 35,26 Prozent durch einen besseren Kassenprozess bezieht Baymard ausdrücklich auf große Onlineshops, nicht auf die Website eines Handwerksbetriebs. Ähnlich bei der Ladezeit: Eine von Google beauftragte Studie von Deloitte fand bei 0,1 Sekunden schnellerer mobiler Ladezeit 8,4 Prozent mehr Abschlüsse im Handel, gemessen bei 37 Marken. Die Richtung stimmt auch für kleine Seiten, die Größenordnung müsst ihr selbst messen, zum Beispiel mit unserem kostenlosen Design-Check.
Testen ohne Labor: fünf Menschen reichen für den Anfang
Lasst fünf Menschen aus eurer Zielgruppe eine einzige Aufgabe auf eurer Website lösen und schaut nur zu. Jakob Nielsen hat schon im Jahr 2000 begründet, warum kleine Tests am meisten bringen: Nach seinem Modell findet eine Studie mit fünf Teilnehmenden rund 85 Prozent der Bedienprobleme. Seine Empfehlung lautet, lieber mehrere kleine Runden zu machen als eine große, und nach jeder Runde nachzubessern.
Die Aufgabe muss konkret sein, sonst lernt ihr nichts. Nicht „Schaut euch mal die Seite an", sondern „Finde heraus, ob die Firma in deinem Ort arbeitet, und fordere ein Angebot an". Sagt während des Tests nichts, helft nicht und erklärt nichts. Jede Stelle, an der jemand zögert, scrollt, zurückgeht oder fragt, schreibt ihr auf.
Habt ihr sehr unterschiedliche Kundengruppen, braucht ihr pro Gruppe eigene Testpersonen. Nielsen nennt dafür drei bis vier pro Gruppe, etwa Privatkunden und Hausverwaltungen getrennt. Für den ersten Durchgang reicht aber schon die wichtigste Gruppe. Ergänzt den Test um vier schnelle Prüfungen, die ihr allein machen könnt: Fünf-Sekunden-Blick auf die Startseite, Daumentest am Handy, Formular selbst ausfüllen und die Bestätigungsmail lesen.

Vier Prüfungen, für die ihr kein Labor braucht. Zusammen dauern sie etwa eine Viertelstunde.
Barrierefreiheit ist UX mit gesetzlicher Pflicht
Prüft, ob euer Online-Angebot unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz fällt. Das Gesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 unter anderem für Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr mit Verbrauchern, also zum Beispiel für Onlineshops und Online-Buchungen, die auf einen Vertrag abzielen. Barrierefrei heißt dort, dass Menschen mit Behinderungen ein Angebot ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffinden, erreichen und nutzen können.
Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen. Gemeint sind Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme. Wer Produkte in Umlauf bringt, fällt laut Bundesfachstelle Barrierefreiheit trotzdem darunter. Grenzfälle wie eine reine Angebotsanfrage sind in den amtlichen Quellen nicht ausdrücklich geklärt, das müsst ihr im Einzelfall prüfen lassen. Einen ausführlichen Überblick gibt unser Beitrag zur barrierefreien Website nach BFSG.
Die neuen Regeln der WCAG 2.2 lesen sich wie ein UX-Lehrbuch. Die Web Content Accessibility Guidelines sind seit dem 5. Oktober 2023 in Version 2.2 eine Empfehlung des W3C und bringen neun neue Prüfpunkte. Darunter: Klickflächen müssen eine Mindestgröße oder genug Abstand haben, das fokussierte Element darf nicht von festen Kopfleisten oder Cookie-Bannern verdeckt sein, Hilfe und Kontakt stehen auf allen Seiten an derselben Stelle, und bereits eingegebene Daten werden nicht noch einmal abgefragt. Wer diese Punkte umsetzt, verbessert die Seite für alle Besucher, nicht nur für Menschen mit Einschränkungen.
Was UX- und UI-Arbeit kostet, und wie ihr sie bestellt
Plant UX nicht als Extra, sondern als festen Teil des Budgets, denn sie entscheidet über den Erfolg der übrigen Investition. Bei uns steckt sie in jedem Projekt: Struktur, Wireframes und Tests gehören zur Firmenwebsite dazu, die bei uns meist zwischen 4.000 und 12.000 Euro liegt. Wie sich solche Preise zusammensetzen und was andere Anbieter verlangen, zeigt unsere Seite Was kostet eine Website mit Rechner.
Stellt jeder Agentur vor dem Auftrag dieselben fünf Fragen. Bekomme ich Wireframes oder eine Seitenstruktur, bevor es an Farben und Bilder geht? Mit wem testet ihr den Entwurf, und bekomme ich die Ergebnisse?
Wie prüft ihr Barrierefreiheit, etwa Kontrast, Tastaturbedienung und Klickflächen? Was passiert nach dem Absenden eines Formulars? Und woran messen wir nach dem Start, ob die neue Seite besser ist als die alte?
Achtet auf Angebote, in denen nur Seitenzahlen und Gestaltungsrunden stehen. Das ist ein Hinweis darauf, dass vor allem die Oberfläche bezahlt wird. Das ist nicht falsch, wenn eure Struktur bereits funktioniert und nur der Auftritt veraltet ist. Wenn aber die Anfragen fehlen, ist ein neuer Anstrich allein das teuerste mögliche Missverständnis. Lasst euch deshalb schriftlich geben, welche UX-Ergebnisse im Preis enthalten sind.
UI/UX-Designer als Beruf: Aufgaben und Gehalt
Wer den Beruf genauer verstehen will, findet die nüchternste Beschreibung bei der Bundesagentur für Arbeit. Im BERUFENET heißt es, UX-Designer und -Designerinnen konzipieren unter anderem Apps, Websites und Online-Services, um sie in allen Belangen möglichst nutzendenfreundlich zu gestalten. Sie nutzen dafür Daten aus Befragungen, erstellen Kundenmodelle, spielen typische Abläufe wie Bestellungen durch, entwickeln Prototypen und lassen diese von Nutzenden testen. Einen eigenen Eintrag für UI-Designer gibt es dort nicht, die Suche führt zum Interfacedesign.
Für das Gehalt gibt es nur eine amtliche Annäherung. Der Entgeltatlas der Bundesagentur ordnet UX-Designer den Spezialisten im Grafik-, Kommunikations- und Fotodesign zu. Dort liegt das mittlere Bruttomonatsentgelt in Vollzeit bei 4.149 Euro bundesweit und bei 4.162 Euro in Köln, Stand Entgeltatlas 2025. Gehaltsspannen aus Kursanbieter-Blogs haben meist keine nachvollziehbare Quelle, nehmt sie mit Vorsicht.
Das verbreitete Werkzeug in beiden Disziplinen ist heute Figma, zumindest in unserem Alltag. Belastbare Marktanteile dazu haben wir nicht gefunden, deshalb nennen wir hier keine Zahl. Für Betriebe ist ohnehin wichtiger, dass ihr am Ende Zugriff auf die Entwürfe bekommt. Lasst euch die Design-Datei deshalb im Vertrag zusichern.
Kurze Antworten auf die häufigsten Fragen
Wofür stehen UI und UX? UI steht für User Interface, auf Deutsch Benutzeroberfläche. UX steht für User Experience, also Nutzungserlebnis. Das X ist eine im Englischen übliche Abkürzung für „Experience".
Ist Usability dasselbe wie UX? Nein. Usability beschreibt, wie effektiv, effizient und zufriedenstellend jemand ein Ziel erreicht, und ist damit ein messbarer Teil der UX. UX umfasst zusätzlich Erwartungen, Gefühle und alles, was vor und nach der Nutzung passiert.
Was macht ein UX-Designer, was ein UI-Designer? UX-Design klärt Bedürfnisse, Struktur und Abläufe und prüft sie mit Tests. UI-Design gestaltet die sichtbare Oberfläche und ihre Bauteile. Auf vielen Stellenanzeigen steht beides in einer Rolle.
Braucht eine kleine Firmenwebsite überhaupt UX-Design? Ja, nur in kleinerem Umfang. Eine klare Struktur, ein kurzer Weg zur Anfrage und ein Test mit fünf Menschen kosten wenig und verhindern, dass ein neues Design an den eigentlichen Fragen der Kunden vorbeigeht.
Fazit: was ihr heute, diese Woche und später tut
Heute füllt ihr euer eigenes Kontaktformular am Handy aus und zählt Felder und Zögerstellen. Streicht jedes Pflichtfeld, das ihr für die erste Antwort nicht wirklich braucht, und prüft, ob nach dem Absenden klar ist, was als Nächstes passiert. Das dauert zehn Minuten und ist die wirksamste UX-Maßnahme, die es gibt.
Diese Woche lasst ihr fünf Menschen aus eurer Zielgruppe eine Aufgabe lösen. Schreibt die Aufgabe vorher auf, schaut schweigend zu und notiert jede Hürde. Sortiert danach in zwei Spalten: Was ist ein Problem im Ablauf, also UX, und was eines der Darstellung, also UI. Die erste Spalte zuerst.
Später, vor dem nächsten Relaunch, geht ihr die fünf Ebenen von unten nach oben durch. Strategie, Umfang und Struktur stehen fest, bevor über Farben gesprochen wird. Und ihr fragt jede Agentur, welche UX-Ergebnisse im Angebot stecken. Wenn ihr dabei Unterstützung wollt: Genau so arbeiten wir bei Webdesign für Unternehmen und Handwerk, mit Struktur und Test vor der Gestaltung.
Was sich geändert hat und was das für euch heißt
22.09.2025: Das Baymard Institute hat seine Übersicht zu Warenkorbabbrüchen aktualisiert, der Mittelwert aus 50 Studien liegt bei 70,22 Prozent. Für Shops heißt das: Kontozwang, versteckte Kosten und lange Kassen bleiben die Hebel, an denen sich zuerst etwas ändern lässt.
28.06.2025: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt für Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr mit Verbrauchern. Wer online verkauft oder buchen lässt und kein Kleinstunternehmen ist, muss Barrierefreiheit jetzt als Pflicht behandeln, nicht als Kür. Bestehende Verträge haben Übergangsfristen bis 2030.
05.10.2023: Die WCAG 2.2 wurden W3C-Empfehlung. Für Website-Projekte heißt das: Klickflächen, sichtbarer Fokus trotz Cookie-Banner und Hilfe an fester Stelle gehören ab sofort in jede Abnahme.
Stand dieser Fassung: 5. Oktober 2026.
Soll sich jemand eure Website mit UX-Blick ansehen?
Wenn ihr wissen wollt, wo auf eurer Seite der Weg zur Anfrage abreißt, schreibt uns über das Kontaktformular. Wir schauen uns eure Website an und sagen euch ehrlich, ob ein neues Design nötig ist oder ob ein paar Änderungen am Ablauf reichen. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden, persönlich und ohne Vertriebsgespräch.
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