SEO-Grundlagen, die beim Website-Bau am häufigsten vergessen werden

Ein Großteil der Sichtbarkeit bei Google entscheidet sich beim Bau der Website, nicht danach. Welche sieben Grundlagen am häufigsten fehlen und was sich später kaum noch aufholen lässt. Aus 19 Jahren Praxis.

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SEO & Sichtbarkeit

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Autor

Dustin Tatarowicz

Dustin Tatarowicz

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SEO wird bei den meisten Webprojekten als letzter Schritt behandelt. Erst die Seite bauen, dann irgendwann noch SEO machen, heißt es oft im Briefing. Das Problem an dieser Reihenfolge: Ein Großteil dessen, was eine Website bei Google überhaupt sichtbar macht, entscheidet sich beim Bau selbst, nicht danach.

Was hier versäumt wird, lässt sich später nur mit deutlich mehr Aufwand nachholen. Manchmal gar nicht mehr vollständig. Wir sehen das in fast jedem zweiten Projekt, das zu uns kommt, nachdem es schon einmal woanders gebaut wurde: Die Grundlagen fehlen, und das Nachrüsten kostet ein Vielfaches von dem, was es gekostet hätte, sie von Anfang an mitzudenken.

Hier die Grundlagen, die am häufigsten auf der Strecke bleiben, und was stattdessen von Anfang an mitgedacht werden sollte.

Was SEO beim Website-Bau eigentlich leisten muss

SEO ist keine Liste von Tricks, die man am Ende noch anwendet. Es ist die Summe aus technischer Sauberkeit, klarer Struktur und Inhalten, die tatsächlich zu dem passen, wonach Menschen suchen. Alle drei Bereiche entstehen zum größten Teil während der Konzeption und Entwicklung, nicht danach.

Wer SEO als letzten Schritt behandelt, behandelt es im Grunde gar nicht. Ein Grundgerüst lässt sich zwar reparieren, aber jede Reparatur an einer laufenden Website ist aufwendiger, riskanter und teurer als dieselbe Entscheidung vor dem ersten Klick im CMS. Genau deshalb gehört diese Liste ins Briefing, nicht in die Nachbetrachtung nach dem Launch.

Die folgenden sieben Punkte sind keine Geheimtipps. Sie sind Grundlagen. Trotzdem fehlen sie bei den meisten Projekten, die wir übernehmen, weil sie einfach nie explizit eingefordert wurden. Das liegt selten an fehlendem Wissen auf Seiten der Agentur. Es liegt daran, dass SEO im Projektplan keinen eigenen Platz hat, sondern irgendwo zwischen Design-Freigabe und Launch-Termin verschwindet.

Wer diese Punkte kennt, kann sie beim nächsten Projekt gezielt einfordern, egal ob als Auftraggeber oder als Team, das die Seite baut. Genau dafür ist diese Liste gedacht: nicht als nachträgliche Fehlersuche, sondern als Teil des Briefings, das von Anfang an feststeht.

1. Die URL-Struktur wird nicht durchdacht

Viele Webseiten landen mit URLs wie marschfahrt.de/seite?id=384 oder wild verschachtelten Unterordnern online. Weder Google noch Besucher können daraus ablesen, worum es auf der Seite geht. Eine URL sollte im Idealfall lesbar sein, ohne dass man die Seite überhaupt geöffnet hat.

Das Problem entsteht meistens nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus der Reihenfolge der Arbeit. Das CMS generiert automatisch eine URL aus dem Seitentitel oder einer internen ID, niemand schaut sich das noch mal an, und am Ende steht eine technisch funktionierende, aber inhaltlich blinde Adresse online.

Was du tun solltest: Plane eine sprechende, logisch aufgebaute URL-Struktur mit lesbaren Wörtern und Bindestrichen, bevor die erste Seite gebaut wird. marschfahrt.de/webdesign statt kryptischer Parameter. Das klingt banal, wird aber regelmäßig übersehen, weil es niemand explizit einfordert. Am besten legst du die komplette Struktur einmal vor dem Bau auf einem Blatt fest, dann muss später niemand mehr improvisieren.

2. Weiterleitungen bei einem Relaunch werden vergessen

Wenn eine bestehende Webseite überarbeitet wird und sich dabei URLs ändern, ohne dass alte Adressen sauber auf neue umgeleitet werden, kann die Seite in kurzer Zeit große Teile ihrer Sichtbarkeit bei Google verlieren. Jahre an aufgebautem Ranking gehen dann verloren, oft ohne dass jemand versteht, warum.

Das passiert öfter, als man denkt, und meistens nicht aus Unwissen. Der Relaunch ist fertig, alle sind zufrieden mit dem neuen Design, und die Weiterleitungsliste rutscht als letzter Punkt aus dem Projektplan, weil sie sich technisch und optisch nach nichts anfühlt. Genau das macht sie so gefährlich.

Was du tun solltest: Erstelle vor jedem Relaunch eine vollständige Liste aller bestehenden URLs und richte für jede eine dauerhafte, serverseitige Weiterleitung (301 oder 308) direkt auf die passende neue Seite ein, ohne Ketten über mehrere Stationen. Nicht stichprobenartig, sondern vollständig. Prüfe nach dem Umzug, ob die Weiterleitungen tatsächlich greifen, und lass sie mindestens ein Jahr bestehen, besser dauerhaft. Rechne damit, dass es einige Wochen dauert, bis Google die neuen Adressen statt der alten zeigt. Das ist einer der teuersten Fehler, die bei einem Website-Wechsel passieren können, und gleichzeitig einer der am leichtesten vermeidbaren.

3. Meta-Titel und Beschreibungen bleiben leer oder generisch

Titel und Beschreibung im Suchergebnis entscheiden oft darüber, ob jemand klickt oder weiterscrollt. Google übernimmt deinen Seitentitel und deine Meta-Beschreibung dafür nicht immer wörtlich, sondern stellt sie häufig aus dem Seiteninhalt selbst zusammen. Umso wichtiger ist, dass beides konkret ist und zum Inhalt passt. Trotzdem bleiben sie bei vielen Webseiten leer oder werden automatisch mit dem Seitennamen befüllt, ohne echten Inhalt dahinter.

Der Effekt ist unterschätzt: Zwei Seiten können exakt dieselbe Position im Suchergebnis haben und trotzdem völlig unterschiedlich oft geklickt werden, je nachdem, wie gut Titel und Beschreibung den tatsächlichen Inhalt treffen. Eine Position weiter oben nützt wenig, wenn niemand klickt, weil der Text darunter nichts verspricht.

Was du tun solltest: Schreibe für jede wichtige Seite einen eigenen, konkreten Titel und eine Beschreibung, die tatsächlich beschreibt, was die Seite bietet, nicht nur den Firmennamen wiederholt. Stell dir vor, du siehst zehn Suchergebnisse untereinander: Was müsste in deinem stehen, damit du genau dieses anklickst?

4. Bilder werden nicht für Suchmaschinen aufbereitet

Große, unkomprimierte Bilder sind einer der häufigsten Gründe für langsame Ladezeiten. Google wertet die Ladezeit als Teil der gesamten Nutzererfahrung (Core Web Vitals), ein Hebel unter vielen, aber nicht der wichtigste. Fehlende Alt-Texte nehmen Google außerdem den wichtigsten Hinweis darauf, was auf einem Bild zu sehen ist. Google wertet zwar auch das Bild selbst und den umgebenden Text aus, der Alt-Text bleibt aber die wichtigste Angabe.

Bei vielen Projekten liegt das Problem schon in der Bereitstellung: Ein Foto kommt in Originalgröße von der Kamera oder dem Smartphone, wird ohne Anpassung hochgeladen, und die Seite lädt spürbar langsamer, als sie müsste. Das merkt man selten sofort, aber es summiert sich über die ganze Seite.

Was du tun solltest: Komprimiere Bilder vor dem Hochladen, nutze moderne Formate wie WebP oder AVIF, gib den Dateien sprechende Namen (zum Beispiel dachdeckerei-koeln-team.webp statt IMG_4711.jpg) und beschreibe jedes wichtige Bild kurz und konkret im Alt-Text. Das hilft nicht nur Google, sondern auch Menschen, die auf Bildbeschreibungen angewiesen sind, etwa weil sie einen Screenreader nutzen. Guter Alt-Text ist an dieser Stelle kein SEO-Trick, sondern schlicht Barrierefreiheit, die nebenbei auch dem Ranking hilft.

5. Die Überschriftenstruktur wird durcheinandergewürfelt

Eine klare Hauptüberschrift und eine logische Abfolge darunter machen eine Seite leichter lesbar. Eine feste Regel wie „genau eine H1“ gibt Google allerdings nicht vor, eine saubere Struktur hilft vor allem Menschen und Screenreadern. In der Praxis sehen wir oft mehrere H1-Elemente auf einer Seite oder Überschriften, die rein nach optischer Größe statt nach inhaltlicher Struktur gewählt wurden.

Das passiert häufig, wenn Design und Inhalt getrennt voneinander entstehen. Jemand entscheidet, ein Textelement soll größer wirken, wählt dafür die H1-Formatierung, und schon hat die Seite zwei oder drei Hauptüberschriften, obwohl inhaltlich nur eine gemeint war. Optisch fällt das kaum auf. Wer mit Screenreader unterwegs ist, merkt es sofort, und für Google wird die Struktur unnötig unklar.

Was du tun solltest: Behandle Überschriften als Inhaltsverzeichnis deiner Seite, nicht als Stilmittel. Eine H1, danach H2 für die Hauptabschnitte, H3 nur dort, wo es einen echten Unterpunkt gibt. Das hilft vor allem deinen Besucherinnen und Besuchern, sich schnell zu orientieren, gerade auf dem Handy, wo man eine Seite eher überfliegt als liest. Google kann eine klare Hauptüberschrift außerdem für den Titel im Suchergebnis heranziehen.

6. Interne Verlinkung fehlt komplett

Viele Webseiten bestehen aus isolierten Unterseiten, die kaum aufeinander verweisen. Google nutzt interne Links aber, um zu verstehen, welche Seiten besonders wichtig sind und wie Inhalte inhaltlich zusammenhängen. Eine Seite ohne eingehende interne Links wirkt wie eine Randnotiz, selbst wenn der Inhalt eigentlich zentral ist.

Das betrifft nicht nur Blogartikel. Auch Leistungsseiten verweisen selten aufeinander, obwohl sie oft genau das tun sollten. Wer Webdesign und SEO anbietet, sollte auf der Webdesign-Seite auch auf die SEO-Seite verweisen, und umgekehrt, weil die Besucherin oder der Besucher genau diesen Zusammenhang oft selbst noch nicht kennt.

Was du tun solltest: Verlinke thematisch verwandte Inhalte bewusst miteinander, mit echten Links und einem Linktext, der sagt, wohin es geht, statt „hier klicken“. Ein Blogartikel, der auf die passende Leistungsseite verweist, hilft nicht nur Besuchern beim Weiterklicken, sondern stärkt auch die verlinkte Seite bei Google. Am einfachsten baust du dir dafür eine kleine Übersicht, welche Seiten thematisch zusammengehören, dann findest du die passenden Stellen beim Schreiben fast von selbst.

7. Strukturierte Daten werden übersprungen

Strukturierte Daten sind zusätzliche, unsichtbare Informationen im Code, die Google helfen, Inhalte richtig einzuordnen, etwa Öffnungszeiten, Bewertungen oder Produktinformationen. Sie helfen Google, Inhalte eindeutiger zuzuordnen, und sind Voraussetzung für viele erweiterte Darstellungen im Suchergebnis. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht, und am Ranking selbst ändern sie direkt nichts.

Der Punkt wird oft übersprungen, weil er unsichtbar ist. Niemand sieht strukturierte Daten beim Betrachten der fertigen Seite, also fragt auch niemand danach, wenn das Projekt abgenommen wird. Genau das macht ihn zu einem der Punkte, die am zuverlässigsten fehlen, sobald ein Projekt als „fertig" gilt.

Was du tun solltest: Kläre beim Website-Bau, welche strukturierten Daten für dein Geschäftsmodell sinnvoll sind, und lass sie direkt mit einrichten. Für ein lokales Unternehmen sind das vor allem Name, Adresse und Öffnungszeiten, für einen Onlineshop Produktdaten, Preise und Verfügbarkeit. Vorsicht bei Bewertungen: Kundenbewertungen über das eigene Unternehmen, die du selbst auf deiner Website auszeichnest, bringen keine Sterne im Suchergebnis. Und FAQ- oder HowTo-Auszeichnungen lohnen sich nicht mehr, Google zeigt beide nicht mehr an. Nachträglich lässt sich das zwar auch machen, wird aber häufig vergessen, sobald das Projekt einmal als abgeschlossen gilt.

Warum sich das später kaum noch aufholen lässt

Der Grund, warum diese Liste vor dem Bau gehört und nicht danach, ist einfach: Jede dieser sieben Entscheidungen betrifft die Grundstruktur der Website. Eine URL-Struktur nachträglich zu ändern bedeutet, wieder Weiterleitungen zu bauen. Eine Überschriftenstruktur nachträglich zu korrigieren bedeutet, jede Unterseite einzeln durchzugehen. Was beim Bau eine Entscheidung ist, wird danach ein Projekt für sich.

Dazu kommt ein Effekt, der sich schwer beziffern lässt, aber real ist: Google braucht Zeit, um eine Website neu zu bewerten. Selbst wenn alle sieben Punkte nachträglich korrigiert werden, dauert es oft Wochen oder Monate, bis sich das im Ranking zeigt. Auch eine Website, die von Anfang an sauber aufgesetzt ist, braucht Zeit, bis Google sie gecrawlt und eingeordnet hat. Aber sie muss nicht erst repariert und danach ein zweites Mal neu bewertet werden.

Wir sagen das nicht, um Angst zu machen. Wir sagen es, weil wir regelmäßig Projekte übernehmen, bei denen genau diese Nacharbeit den größten Teil des Budgets frisst, Budget, das beim ursprünglichen Bau sinnvoller investiert gewesen wäre.

Das heißt nicht, dass eine bestehende Website mit diesen Lücken wertlos ist. Es heißt nur, dass die Reihenfolge der Arbeit sich umdreht: Statt einmal sauber zu planen, wird nachträglich repariert, während die Seite live ist und weiterläuft. Beides ist möglich. Nur eines davon ist günstiger, schneller und mit weniger Risiko verbunden, gute Rankings während der Umstellung zu verlieren.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Kunde kam vor einiger Zeit mit einer fünf Jahre alten Website zu uns, die bei einem Relaunch damals genau diese Fehler mitgenommen hatte. Die URLs waren technisch generiert, keine Weiterleitungen aus der Zeit davor, Alt-Texte komplett leer, und eine Handvoll Seiten mit doppelter H1. Für den Kunden fühlte sich die Seite gut an: modernes Design, schnelle Ladezeit auf dem Papier, zufriedene Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen.

Bei Google sah es anders aus. Für die eigentlich relevanten Suchbegriffe tauchte die Seite kaum auf, obwohl der Wettbewerb inhaltlich nicht stärker war. Der Grund lag nicht im Design, sondern genau in den sieben Punkten von oben, die beim damaligen Relaunch niemand explizit geprüft hatte.

Die Korrektur hat mehrere Wochen gedauert und deutlich mehr gekostet, als es gekostet hätte, die Punkte gleich beim Bau mitzunehmen. Ein Teil der Weiterleitungen ließ sich nur noch über alte Analytics-Daten rekonstruieren, weil niemand mehr wusste, welche URLs überhaupt existiert hatten. Genau das meinen wir, wenn wir sagen, dass sich das später kaum noch vollständig aufholen lässt: Es geht nicht nur um Zeit, sondern auch um Informationen, die mit jedem Monat schwerer zu beschaffen sind.

Checkliste für dein nächstes Webprojekt

Bevor deine Webseite live geht, sollten diese Punkte geklärt sein:

  • Eine saubere, sprechende URL-Struktur steht fest

  • Bei einem Relaunch sind alle alten URLs dauerhaft (301 oder 308) und ohne Ketten auf die passenden neuen umgeleitet

  • Jede wichtige Seite hat einen eigenen Meta-Titel und eine eigene Beschreibung

  • Bilder sind komprimiert und mit Alt-Texten versehen

  • Die Überschriftenstruktur folgt einer klaren Logik statt reiner Optik

  • Verwandte Inhalte sind sinnvoll intern verlinkt

  • Strukturierte Daten sind, wo passend, mit eingerichtet

Wer diese sieben Punkte vor dem Launch abhaken kann, hat den Großteil der technischen SEO-Grundlagen bereits erledigt, ohne dafür ein eigenes SEO-Projekt gebraucht zu haben.


Fazit: SEO ist kein Nachgedanke

Die meisten dieser Punkte kosten beim Website-Bau kaum zusätzliche Zeit, wenn sie von Anfang an mitgedacht werden. Nachträglich behoben, kosten sie deutlich mehr, manchmal sogar verlorenes Ranking, das sich nur mühsam zurückholen lässt.

Gute Sichtbarkeit bei Google entsteht nicht durch einen Trick nach dem Launch. Sie entsteht durch saubere Grundlagen, die von Anfang an mitgebaut werden, und durch die Disziplin, diese Liste tatsächlich abzuarbeiten, bevor die Seite online geht, nicht erst, wenn die ersten Zahlen ausbleiben.


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Quellen

Alle technischen Empfehlungen haben wir mit der Dokumentation von Google Search Central abgeglichen. Stand: 4. November 2026.